Audio/Peripherie Maus Testberichte

XXL-Mousepads vom China-Label: Schnäppchen oder Blender?

Wer sich einmal an ein XX(X)L-Mousepad mit, sagen wir mal, mindestens 80 x 30 oder 90 x 40 cm gewöhnt hat, den Komfort faktisch nicht mehr vorhandener Ränder schätzen gelernt hat und zudem glücklich ist, dass der Tastenmechaniker nicht mehr so laut bis auf die Grundmauern durchschlägt, der wird nie wieder etwas anderes haben wollen. Dumm nur, dass all diese tollen Produkte eigentlich reine Verbrauchsgegenstände sind, deren Verfallsdatum beim Kauf bereits mit im Lieferumfang enthalten und eingepreist ist.

Schön, einfach nur abgeklebte Ecken muss man auch nicht mehr haben, das dröselt sich fixer auf, als Chantal-Cheyenne Mops sagen kann. Aber gibt es beim Materialmix aus textiler Oberfläche und Gummiunterzieher wirklich so gravierende Unterschiede? Auslöser für diesen heutigen Verbrauchsartikel (Achtung Wortspielkasse) war mein geliebtes grünes Mousepad, das ich, entgegen der irrigen Annahme, Redakteure bekämen eh alles geschenkt, vor einem Jahr für ca. 40 Euro selbst gekauft habe.

Der beworbene „Superstitch“, also die säuberlich mit dünnstem Faden umgarnten Kanten, sind mittlerweile mehr als nur fadenscheinig und der freie Blick auf den Schaumgummi samt sich verabschiedendem Aufdruck auf dem textilen Überzieher bedeutet letztendlich nichts anderes, als dass mal wieder der gezielte Wurf in die Restmüll-Tonne ansteht. Schade ums Pad und schade auch ums Geld. Also quasi von der Geldverbrennung in die Müllverbrennung. Da hat der Ausdruck, dass etwas abgeraucht sei, doch gleich noch einen viel tieferen Sinn.

„Markenware“? Abnutzung nach nur 12 Monaten. Es kostet aber immerhin fast das Dreifache.

So, da steht jetzt die Frage im Raum, durch was ich meine geliebte Unterlage ersetze. Noch einmal die Textil-gummierte Edelklasse im teuren Corporate-Identity-Style oder mal was vom China-Dealer aus dem Fernen Osten? Dank Amazon gibt es die Erzeugnisse fernöstlicher Gummipressen ja auch mit Mehrwertsteuer und Rücksenderecht. Was also lag näher, ohne Druck und Risiko drei solcher Konfuzius-Gedächtnismatten zu bestellen? Stopp, warum aber eigentlich drei? Es ist einfach zu beantworten, denn ich habe erneut in ungefähr den Geldbetrag rausgehauen, denn ich letztes Jahr schon in die gelabelte Destop-Wellness investiert hatte. Die Quelle aller drei Matten ist übrigens Jialong auf Amazon , aber das hätte auch eine andere Firma sein können. Der Ursprung ist am Ende stets derselbe.

Händler gibt es wie Sand am Meer, Gummimatten auch. Die (nicht nur zufällige) Ähnlichkeit vieler Produkte führen spurenmäßig übrigens fast alle zu einem großen OEM: Aukey. Egal, was auf vielen Matten draufsteht, das Grundprinzip, die Materialien und die Verarbeitung sind weitgehend identisch. Bei Aukey ist das angebotene Produkt jedoch nur im heimeligen Friedhofs-Schwarz zu haben. Nichts gegen Gothic-Style, aber da fehlt doch was. Doch warum können die Anbieter ihre Produkte so viel günstiger unters Volk bringen als der vermeintliche Markenhersteller? Einerseits verlangt Letzterer natürlich auch Tribut für sein Logo und den Namen, klar. Aber auch qualitativ sollte da noch gehörig Luft dazwischen liegen. Oder etwa doch nicht?

Hands-On- und Nose-On-Test

Doch was taugt die Matte der sieben Köstlichkeiten (Optik, Haptik, Geruch, Spielbarkeit, Aufdruck, Umbördelung, Haltbarkeit)? Nach dem Auspacken erfolgte erst mal der obligatorische Geruchstest. Es roch dezent nach Crocs, aber beileibe nicht nach einem chemischen Großangriff auf die leidgeprüften Schleimhäute. Meine Schuhsohlen vom Italiener rochen am ersten Tag auch nicht wirklich anders. Der vornehme Mief verfliegt aber im Nu, das passt also. Die Rutschfestigkeit stimmt und ein Schmiertest auf einer hellen Fläche ergab keinerlei Bremsstreifen. Auch das geht also durchaus in Ordnung

Gummiunterseiten der Billig-Pads. Simpel, aber rutschfest.

Spielen sollte man auch können und lustigerweise war der zurückzulegende Weg für die UHD-Bildschirmdiagonale auf den neuen Pads mit Referenz-Maus und -Auflösung absolut identisch mit dem, was ich noch auf dem Marken-Pad ermittelt hatte. Zufall oder gleiche Oberfläche? Als Supplier kauft man ja seine Materialien auch irgendwo ein und solche Textilien sind auch kein Hexenwerk.

Natürlich kann ich wir jetzt nicht wieder ein volles Jahr warten, nur um den Test mit dem 12-Monats-Ergbebnis zu schreiben, werde aber nach einem Jahr mit Sicherheit wieder kurz berichten, was sich an der Günstig-Front Neues getan hat. Vorerst nutze ich einen scharfkantigen Metallwürfel und lasse ihn gezielt aufs Pad fallen. Wenn das Eckige nur stark genug aufs Abgerundete trifft, platzt irgendwann die Naht. Erwartungsgemäß. Was nämlich auf den ersten Blick sehr ähnlich aussieht, entpuppt sich schnell als breiteres Band anstelle einzelnen dünner Fäden (siehe Bild unten). Das muss jetzt beim Abrieb noch nicht einmal nachteilig sein, bei partiellen Schäden wie unserem ist aber eine größere Fläche betroffen.

 

Mutwillig zerstört. Was die Bürste nicht schafft, packt eine scharfe Kante im freien Fall.

Wir können natürlich keinen wirklichen, normgerechten Materialtest machen, aber auch beim Test des Aufdrucks mit Seife und Wurzelbürste war hinterher alles noch im grünen Bereich. Die Aufdrucke glänzten ja auch vorher schon nicht gerade mit blendender Farbintensität, büßten aber das, was dann doch da war, auch nicht ein. Egal ob Handwaschbürste oder Waschmaschine im Beutel bei 30°C – die Frisur saß und sitzt. Damit war dieser Kauf zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht für den Allerwertesten und ich habe sogar drei große Pads zum Wechseln, je nach Stimmungslage.

Der Druck ist nicht farbintensiv, geht aber gerade so

Gaming-Table mit und ohne Pads bzw. Spielergarnitur

[ics-comparison-slider id=9]

Einmal Tisch mit ohne alles bitte!

[ics-comparison-slider id=10]

Die Weltkarte ist auch nicht zu verachten.

[ics-comparison-slider id=11]

Mal zwischendurch ein paar Knackwürste… #metoo

[ics-comparison-slider id=12]

Und zum Ende die Erde, die keine Scheibe oder Kugel ist, sondern ein Pad. Ich hab’s doch immer schon gewusst.

Wer Appetit bekommen hat, hier ist noch mal der Link. Am Ende kann man sich aber wohl wirklich den Anbieter mit dem kleinsten Preis aussuchen. Allerdings ist für Prime-Kunden der Weg über diesen Service am einfachsten und sichersten, denn man weiß ja nie, irgendwas ist ja irgendwie immer. Und nein, es ist auch kein Affiliate-Link, wie jeder selbst nachprüfen kann. Nennen wir es besser Zufalls-Fund und Neugier.

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kann Du per PayPal spenden.

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.