Was kann ich als Laie tun, wenn der PC nicht so tut, wie er sollte? | User-Tutorial

Unser Forenmitglied und Senior Moderator helpstar hat kürzlich ein Interessantes Tutorial im Forum erstellt, das sich (vor allem für Neueinsteiger und Laien) als eine Art einfach abzuarbeitende Checkliste für den Ernstfall versteht. Dazu gibt es den ultimativen Hilfe-Thread...

Unser Forenmitglied und Senior Moderator helpstar hat kürzlich ein Interessantes Tutorial im Forum erstellt, das sich (vor allem für Neueinsteiger und Laien) als eine Art einfach abzuarbeitende Checkliste für den Ernstfall versteht. Da jedoch die Länge der Einträge im Forum begrenzt ist, habe ich das gute Stück mal auf die Frontpage geholt und noch mit einigen eigenen Beiträgen ergänt, die wir bereits seit Längerem online haben.

Normalerweise steht dies auch in allen Handbüchern der Hardware, welche auf den entsprechenden Herstellerseiten im PDF Format zu finden sind, aber erstens liest die meist keiner und zweitens ist nichts komplett. Und nun lasse ich helpstar das Wort:

Bevor ihr euch ans Testen und evtl. Reparieren macht: falls noch möglich, bitte Backups über Clouddienste oder externe Festplatten machen. Diese helfen ungemein, vor allem bei Hochzeits- oder Urlaubsfotos, die sonst unwiederbringlich weg sein können.

 

Checkliste für neue PCs und bei geänderten oder hinzugekommenen Komponenten

 

  • Ist der Prozessor mit dem Mainboard kompatibel (Herstellerseite des Mainboards: CPU compatibilty list)?
  • Muss das BIOS eine bestimmte Version besitzen, um den installierten Prozessor oder auch Arbeitsspeicher zu unterstützen? Auch Grafikkarten können stabiler mit aktuellerem BIOS des Mainboards laufen oder erst zum Leben erweckt werden.
  • Ist der Arbeitsspeicher zum Mainboard kompatibel (QVL Liste auf Herstellerseite des Mainboards, evtl. Liste auf Herstellerseite des RAMs)
  • Sitzt die CPU richtig im Sockel des Mainboards? Es kann vorkommen, dass CPU-Sockelpins des Mainboards bei der Installation verbiegen
  • Sitzt der Kühlkörper plan auf der CPU und ist auch Wärmeleitpaste dazwischen?
  • Sind alle Lüfter, vor allem der CPU-Lüfter auf dem korrekten Anschluss des Mainboards gesteckt?
  • Ist die Grafikkarte ordnungsgemäß angeschlossen? Grafikkarten können 6polige, 8polige, 6polige + 8polige oder auch 8polige + 8polige Stromstecker benötigen. Meist ist es auf dem Netzteilstecker des PCs mit PCIE gekennzeichnet. Ohne zusätzliche Stromversorgung bootet das System meist gar nicht. Neben der Grafikkarte kann dabei eine Lampe leuchten, welche eine Unterversorgung signalisiert.
  • Steckt die Karte auch im richtigen Slot und ist eingerastet? Dazu bitte genau das Handbuch des Mainboards und der Grafikkarte konsultieren.
  • Steckt der 24-Pin Stromversorgungsanschluss korrekt am Mainboard? Heutige Mainboards werden mit dem 24poligen (auch 20+4) ATX Hauptstecker und zusätzlich mit einem ATX12V (4polig oder 4+4/8polig) Stecker, 8-polig auch EPS-Stecker genannt, mit Strom versorgt. Ohne den 4poligen ATX12V geht gar nichts. Falls das Mainboard eine 8polige Steckmöglichkeit besitzt, sollte diese auch mit dem entsprechenden Stecker des Netzteils versorgt werden. Es kann mit 4poligen gehen, kann aber zu Abstürzen oder Unterversorgung führen. Manche Mainboards besitzen eine Abdeckung auf den zweiten 4 Polen, diese einfach entfernen und mit 8 Polen versorgen. Dazu bitte genau das Handbuch des Mainboards befragen.
  • Wurde das Mainboard richtig verschraubt? Vor dem ersten Start unbedingt darauf achten, dass das Mainboard mit Abstandshaltern zum Gehäuse hin verschraubt ist und nicht direkt mit allen Anschlüssen auf blankem Metall liegt. Außerdem eignet sich zum Ausprobieren außerhalb des Gehäuses keine ESD-Folie/Verpackungsfolie des Mainboards, da diese auch leitet, lieber Holz.
  • Ist das Frontpanel korrekt laut Handbuch verkabelt? (Power, PowerLED, HDD LED, Speaker,…), sowie zusätzliche USB Ports auch in den USB Anschlüssen und nicht in den Front-Audio-Anschlüssen angeschlossen?
  • Sind die Datenräger richtig angeschlossen? SATA Festplatten und SSDs benötigen außer dem Datenkabel zum Mainboard auch eine Stromversorgung.
  • Steckt der Stecker in der Steckdose und ist das Natzteil eingeschaltet? (Aus-Schalter an der Rückseite)
  • Ist der Monitor richtig angeschlossen? Falls eine extra Grafikkarte installiert wurde, den Displayport, HDMI, DVI oder wenn nicht anders möglich VGA, mit dieser verbinden. Es gibt inzwischen recht gute Prozessorgrafik, welche keine zusätzliche Grafikkarte benötigt. Dazu muss das Mainboard die Anschlüsse wie eine Grafikkarte besitzen und ein Prozessor mit Grafikkern vorhanden sein. Da die Anschlüsse allein nicht zur Ausgabe am Bildschirm genügen. Sind also beide Voraussetzungen erfüllt, kann der Monitor auch ans Mainboard angeschlossen werden.
  • Probleme mit USB Geräten? Vorrangig den Chipsatztreiber des Mainboards und falls ein extra USB-Chip aufgelötet ist, den entsprechenden Treiber von der Support Seite des Mainboards installieren. Manche USB Geräte, wie auch Maus und Tastatur, arbeiten nicht korrekt oder gar nicht an diversen USB Anschlüssen. Hier kann auch helfen, alle Anschlüsse nacheinander durchzuprobieren. Wobei zuerst mit den USB2.0 (schwarz) begonnen werden sollte. Dazwischen Windows auch mal neustarten.

 

Der PC bootet nicht?

 

  • Das Mainboard ist mit einem zu alten BIOS/UEFI geflasht und die CPU wird noch nicht unterstützt. Daher, erst auf die BIOS Version prüfen, bevor man ein CPU upgrade/-austausch vornimmt . Abzulesen im BIOS/UEFI selbst. Dann gegebenenfalls auf die neueste Version flashen. Hier bitte nie von Windows aus. Im BIOS/UEFI ist meist ein FLASH tool integriert, siehe Mainboardhandbuch. Z.B. Q-Flash (Gigabyte), EZ-FLASH (ASUS), M-FLASH (MSI), instantFlash (ASRock)
  • Bei einer neueren Grafikkarte kann es nötig sein, das BIOS vorher zu aktualisieren, ähnlich wie bei der CPU. Ebenfalls kann helfen das BIOS zu resetten, hier bitte einen CMOS reset (clrCMOS oder JBAT oder ähnlich) per Jumper (Kurzschlussbrücke) durchführen. Falls nur zwei blanke Pins auf dem Mainboard zu finden sind, Stromstecker aus der Steckdose stecken und per Schraubendreher die beiden Pins für ein paar Sekunden überbrücken.
  • Das Netzteil ist defekt, zu schwach oder ein sogenannter „Chinaböller“, welches zwar angeblich 500Watt z.B. bringt, tatsächlich aber nur 250W oder so und keine Schutzmechanismen etc. drin hat. Hier bitte nicht am falschen Ende sparen.
  • Meist drehen sich kurz die Lüfter oder es passiert gar nichts oder aber es klappt nach dem x-ten Versuch, den PC zu starten.
  • Das BIOS/UEFI lädt mit falschen Parametern. Hier kann ein CMOS/BIOS reset erforderlich sein. Meist ein sogenannter Jumper, hierbei vorher den PC aus der Steckdose stecken und nach Handbuch den reset machen.Danach ist es evtl. nötig die Reihenfolge der Laufwerke im BIOS richtig zu ordnen (boot priority).
  • Auf der Festplatte wurde noch kein Betriebssystem installiert, dieses mit z.B. einer Installations-DVD installieren.
  • Viele Fehler ertönen durch Beep Codes, Töne die ähnlich wie MorseCode, kurz oder lang piepen und so auf ein Problem hinweisen. Zum Beispiel nicht richtig steckender RAM, Grafikkarte,…
  • Sollte alles zuvor nicht zum Booten geführt haben, nur die nötigsten Teile anschließen (Minimalkonfiguration): Mainboard + Netzteil (ATX Hauptstecker + 4/8-poligen EPS/ATX12V Stecker), CPU mit Kühler und Lüfter, 1x Arbeitsspeicher (nur einen Riegel, diesen laut Handbuch des Mainboards in den empfohlenen DIMM Slot stecken), Grafikkarte mit Stromversorgung, falls der Prozessor oder das Mainboard keine Grafikeinheit besitzt. Das Mainboard kann trotzdem Grafikanschlüsse haben, die dann aber nicht funktionieren.
  • Alles andere wie Festplatten (auch M.2), andere Steckkarten, USB Geräte (auch Maus und Tastatur), Gehäuselüfter, Netzwerkkabel, usw. ausstecken zum Testen.

 

Weitere Tips und Ratschläge

 

  • Grundsätzlich ist es angebracht bei Austausch von Mainboard und/oder CPU das Betriebssystem neuzuinstallieren. Bei Grafikkarten vorher zumindest den Treiber der vorhergehenden deinstallieren. Die normale Deinstallation über Windows kann funktionieren, besser gehts meist mit dem Tool DDU Uninstaller.
  • Treiber sollten aktuell von den entsprechenden Herstellerseiten heruntergeladen und installiert werden, beiliegende CDs sind meist veraltet.
  • Um Problemen während des Betriebs auf die Spur zu kommen, wie Bluescreens, Freezes, Abstürze, Neustarten ohne ersichtlichen Grund sind kostenlose Hilfs- und Diagnose-Programme recht hilfreich
  • Mit AS SSD kann bei SSDs die Geschwindigkeit gemessen werden und zeigt auch an, ob man die SSD richtig konfiguriert hat. Grün ist gut, rot ist schlecht.
  • Festplatten sollten generell mit dem herstellereigenen Diagnose Tool auf Fehler überprüft werden und wenn verfügbar, die Firmware aktualisiert werden. Aber nur bei einem halbwegs stabilen Sytem.
  • Memtest86+ ist ein Programm zum Überprüfen des Arbeitsspeichers und direkt auf einen USB Stick installierbar, welcher dann bootbar wird. (mit FAT16 oder FAT32 formatieren).
  • Ob der PC korrekt installiert wurde, kann man im Gerätemanager von Windows nachsehen. Dort sollten keine Frage- oder Ausrufezeichen sein. Im Eventmanager von Windows kann man Fehler herauslesen.
  • Mit Bluescreenviewer kann man den genauen Wortlaut des Bluescreens herausfinden
  • In Windows 10 kann man Softwareprobleme recht schnell durch den integrierten Reset des Betriebssystems beseitigen. Vorher bitte nie vergessen eine Sicherungskopie aller wichtigen Daten auf einem außerhalb des Systems befindlichen Datenträger zu erstellen!

Wichtige Tutorials und Tipps von Tom’s Hardware Deutschland

 

 

 

Links zu weiteren Download-/Produktseiten:

 

  • Analyse und Diagnose
    • AIDA64
      AIDA64 ist ein System-, Diagnose- und Benchmark-Programm für die Hardware-Analyse, Überwachung und Benchmarking.
    • HWiNFO
      HWiNFO ist ein System- und Diagnose-Programm für die Hardware-Analyse und Überwachung.
    • Speccy
      Speccy ist ein System- und Diagnose-Programm für die Hardware-Analyse und Überwachung – eingeschränkt. Es ist aber im Gegensatz zu AIDA64 oder HWiNFO einfach aufgebaut und daher für Anfänger/Einsteiger geeignet
    • CrystalDiskInfo
      CrystalDiskInfo ist ein Self-Monitoring, Analysis, and Reporting Technology (S.M.A.R.T.) Analyse-Programm.
    • MSI Afterburner
      MSI Afterburner ist das Overclocking-Programm für Grafikkarten. Es gibt eine detaillierte Übersicht über die Hardware und weiteren Features, wie der Anpassung von Lüftereinstellungen, Benchmarking und Video-Aufnahmen.MSI Afterburner eignet sich zusammen mit HWiNFO sehr gut um Performance-Probleme (Ruckeln, FPS-Einbruch, Framedrops, Lags) zu analysieren – On-screen display (OSD).
    • USB Device Tree Viewer
      USB Device Tree Viewer sammelt neben den USB-Informationen auch Daten aus dem Windows Geräte-Management und führt beide zusammen – so kann es auch Laufwerksbuchstaben und COM-Ports von USB-Geräten anzeigen.
  • Benchmarks und Test
    • AS SSD Benchmark
    • CrystalDiskMark ist ein Solid-State-Drive (SSD)-Benchmark-Programm.
    • CrystalDiskMark
      CrystalDiskMark ist ein Datenträger-Benchmark-Programm.
    • 3DMark
      3DMark ist ein Grafikkarten/GPU-Stress-Test und Benchmark-Programm.
    • FurMark
      FurMark ist eine leichtes, aber sehr intensiver Grafikkarten/GPU-Stress-Test und Benchmark-Programm.
    • Prime95
      Prime95 ist ein intensiver Prozessor/CPU-Stress-Test. Prime95 lässt sich auch als System-Benchmark einsetzen.
  • weitere

Hinweis:
Analyse und Diagnose-Programme müssen mit Administrationsrechten – Administrator – ausgeführt werden, um alle Daten auslesen zu können. Ein Kurz-Test für die Arbeitsspeicherdiagnose ist in Windows 10 integriert: mdsched.exe (microsoft.com (de): Arbeitsspeicher (RAM) mit dem Speicherdiagnosetool prüfen)

 

 

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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