Grafikkarten Testberichte VGA

Verhinderter Kannibale: MSI RTX 2060 Super Gaming X im Test – leise und kühl

Ich war gespannt auf die jeweilige Interpretation der Boardpartnerkarten für die GeForce RTX 2060 Super und beginne heute einfach einmal mit einer MSI RTX 2060 Gaming X, weil sie als erste Karte im Labor eintraf. Exakt und gründlich mit Tear Down wie immer...

Ich war gespannt auf die jeweilige Interpretation der Boardpartnerkarten für die GeForce RTX 2060 Super und beginne heute einfach einmal mit einer MSI RTX 2060 Gaming X, weil sie als erste Karte im Labor eintraf. Und vorab: ich wurde nicht enttäuscht, habe aber eben leider auch einmal mehr feststellen müssen, wo Nvidia die bewusste Mauer wieder errichtet hat, um eigene Produkte zu schützen. Siehe Überschrift. Aber dazu komme ich später noch, denn es steht ja die Boardpartner-Karte im Vordergrund und keine persönlichen Befindlichkeiten.

Preislich sortiert MSI diese Karte an der Spitze der hauseigenen RTX 2060 ein, es ginge also statt der aktuell ca. 455 Euro für dieses Modell mit Sicherheit auch deutlich günstiger, wenn es eine kleinere der RTX-Karten sein soll. Aber man kauft ja nicht nur den Chip, sondern auch das ganze Drumherum. Und genau an dieser Stelle beginnt dann auch unsere Expedition in das Reich des Mehrwertes. Ob wir da heil wieder herauskommen, werden die nächsten Seiten zeigen müssen.

Der TU106-410 der Karte wird gegenüber der Vollvariante TU106-400 auf der RTX 2070 auf nunmehr noch 2176 CUDA-Kerne, 272 Tensorkerne, 34 RT-Kerne, 136 TMUs und 64 ROPs reduziert. Die Karte weist (offiziell) Taktfrequenzen im Bereich von 1470 MHz (Basistakt) und 1725 MHz (Boost) auf, taktet aber in der Praxis deutlich höher. Im Vergleich zur RTX 2060 besitzt die MSI RTX 2060 Super Gaming X wieder 4 MB L2-Cache statt der drei MB der einfachen RTX 2060.

Unbeschnitten behält auch der TU106-410 den gleichen 256-Bit-Speicherbus wie der TU106-400 bei, an den acht 1 GB große GDDR6-Speichermodule mit 14 Gb/s Datenrate angebunden wurden, was zu einer Bandbreite von bis zu 448 GB/s führt. Wie bei der GeForce RTX 2070 ist die NVLink-Unterstützung in dieser Preisklasse längst nicht mehr gegeben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, aber was soll’s.

Ansonsten gilt alles, was ich bereits in den Launchartikeln zur GeForce RTX 2070 FE und zur GeForce RTX 2060 FE geschrieben habe. Und wer sich noch einmal im Detail über die ganzen RTX-Features informieren möchte, der sei auf meinen ellenlangen Grundlagenartikel „Nvidia GeForce RTX 2080 Ti und RTX 2080 vorgestellt – was sich hinter Turing wirklich verbirgt“ zum Thema RT verwiesen. Auch das ist lesenswert und lohnt sich sicher.

Obwohl der TU106 die bisher am wenigsten komplexe Turing-basierte GPU ist, enthält sein 445 mm² Chip nicht weniger als 10,8 Milliarden Transistoren. Das ist immer noch enorm für das, was Nvidia einst als die Mitte ihres Portfolios betrachtet haben könnte. Im Vergleich dazu war der GP106, also der „Midrange Pascal“, ein kleiner 200 mm² Chip mit 4,4 Milliarden Transistoren.

 

Unboxing und technische Daten

Die Karte folgt der typischen MSI-Designsprache und setzt farblich keinerlei Akzente. Dafür sorgt dann später an der Oberseite ein RGB-Schriftzug, mehr gibt es allerdings nicht. Das TwinFrozr-Design der 7. Generation birgt keine Geheimnisse und eigentlich ist (fast) alles wie gehabt. Eine sehr dunkle, anthrazitfarbene Kunststoffabdeckung und das übliche 2,5-Slot-Design hinterlassen da erst einmal recht wenig Adrenalin.

Aber auf Äußerlichkeiten kommt es ja eh nicht an und es wird sicher auch Leute geben, die es lieber nicht ganz so dick aufgetragen haben möchten. Drei DisplayPort-Anschlüsse und einmal HDMI 2.0 komplettieren die Slotblende.

Einen ersten Überblick verschafft uns hier die neueste Version von GPU-Z:

Statt einer eigenen Analyse habe ich aber wenigstens die technischen Daten im Überblick, für die man keine physikalisch vorhandenen Testobjekte braucht:

  GeForce RTX 2060 Super
MSI RTX 2060 Super
Gaming X
GeForce RTX 2060 FE GeForce RTX 2070 FE
GeForce GTX 1070 FE
Architektur (GPU)
Turing (TU106-410) Turing (TU106-410) Turing (TU106-300) Turing (TU106-400) Pascal (GP104)
CUDA Cores
2176 2176 1920 2304 1920
Tensor Cores
272 272 240 288 N/A
RT Cores
34 34 30 36 N/A
Textureinheiten
136 136 120 144 120
Base Clock Rate
1470 MHz 1470 1365 MHz 1410 MHz 1506 MHz
GPU Boost Rate
1650 MHz 1725 1680 MHz 1710 MHz 1683 MHz
Speicherausbau
8GB GDDR6 8GB GDDR6 6GB GDDR6 8GB GDDR6 8GB GDDR5
Speicherbus
256-bit 256-bit 192-bit 256-bit 256-bit
Bandbreite
448 GB/s 448 GB/s 336 GB/s 448 GB/s 256 GB/s
ROPs
64 64 48 64 64
L2 Cache
4 MB 4 MB 3 MB 4MB 2MB
TDP
175 W 180 Watt 160 W 185W 150W
Transistoren
10.8 Mrd. 10,8 Mrd. 10.8 Mrd. 10.8 Mrd. 7.2 Mrd.
Die-Größe
445 mm² 445 mm² 445 mm² 445 mm² 314 mm²
SLI
Nein Nein Nein Nein Ja (MIO)

Testsystem und Messmethoden

Das Testsystem und die -methodik habe ich im Grundlagenartikel “So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017 bereits sehr ausführlich beschrieben und verweise deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen. Da ich mittlerweile hier in Deutschland unabhängig teste, wurde das Testsystem auch noch einmal aufgerüstet, ohne auf Kollegen Rücksicht nehmen zu müssen.

Diesbezüglich geht mein Dank explizit an MIFCOM in München, die uns die passenden Intel-CPUs zur Verfügung stellen, da Intel zu keinerlei Sampling bereit war und ist. Aus Gründen der Objektivität akzeptieren wir zudem auch nur Angebote, an die keinerlei inhaltlichen Bedingungen geknüpft sind.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i9-9900 KF
MSI MEG Z390 ACE
2x 8GB KFA2 HoF DDR4 4000
1x 1 TByte Patriot Viper (NVMe System SSD)
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor: Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
1x Optris PI640, 2x Xi400 Infrarotkameras
Pix Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Betriebssystem Windows 10 Pro (1903, alle Updates), Treiber Stand 28.06.2019

 

 

 

 

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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