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Speedlink Volity Ready: USB Podcast Bundle im Test – Dicker Preis für ein dünnes Stimmchen

Mit dem Speedlink Volity Ready möchte Speedlink ein USB-Mikrofon samt Schwenkarmhalterung und diversem Zubehör an die Podcaster oder Streamer von Welt bringen, damit deren Stimmen auch entsprechend Gehör finden. So weit, so gut. Doch wie schlägt sich dieses Set für eine UVP von 130 Euro und einem Straßenpreis von immerhin noch 111 Euro gegen ein 79 Euro teures Podcast Bundle, bei dem das enthaltene the t.bone SC 440 USB Mikrofon sogar mittlerweile für unter 50 Euro angeboten wird?

Nun kennen wir ja Speedlink eher als Anbieter günstiger Systeme, wie passt dann so eine preislich doch recht selbstbewusste Offerte ins Portfolio? Eigentlich gar nicht, aber ich möchte hier noch nichts spoilern. Es gilt natürlich immer auch der Spagat zwischen Anspruch, Preis und Wirklichkeit, den man als Anbieter zu schaffen hat, keine Frage. Trotzdem werden wir wohl am Ende noch ein Wörtchen zu reden haben. Zuvor packe ich das komplette Set aber erst einmal aus.

Lieferumfang und Installation

Man erhält ein USB-Mikrofon samt Pop-Schutz und Nylon-Sprecherblende, einen Schwenkarm für die Tischmontage samt vormontiertem USB-Kabel, einen separaten Tischständer und noch ein extra USB-Kabel, weil sich das aus dem Schwenkarm nicht herausnehmen lässt. Dazu gibt es eine Art Handbuch, das eigentlich den Namen nicht verdient, weil es nichts wirklich brauchbar beschreibt. Auch zu den realen technischen Daten erfährt der Anwender leider nichts.

Das Teil ist schnell zusammengesteckt und die Montage des Spuckschutzes für die Sprecher kann man zumindest der Verpackung entnehmen. Könnte man meinen, aber dazu habe ich später noch eine interessante Einschätzung. Der Schwenkarm ist für den vertikalen Mikrofonbetrieb nahezu ungeeignet, da viel zu klein. Man verdeckt sich damit nämlich das Sichtfeld in Richtung Monitor. Zumindest für Streamer ist diese Option eher sinnlos. Wie man es besser hinbekommt, habe ich in meinem Test “Blue Yeticaster – Freiheit für den Schreibtisch und das perfekte Mikrofon für Podcaster, Gamer & Co?” gezeigt, wo der Schwenkarm seinen Namen auch wirklich verdient.

Tear Down und Technik-Analyse

Das Mikrofon macht einen auf Kondensator-Großmembran, zumindest optisch und äußerlich. Trotzdem habe ich den Braten gerochen und das Teil erst einmal zerlegt. Der Hersteller dieses Sets ist übrigens Maono Technology, einer der üblichen chinesischen OEMs, die den Markt natürlich auch mit eigenen Produkten reichlich beglücken. Doch es gilt wie immer: you get what you paid for. Beginnen wir zunächst mit der Platine. Der OEM hat den Vorverstärker komplett eingespart, da bleibt auf dem PCB so einiges frei, was man hätte durchaus nutzen und bestücken können. Der ADC setzt auf einen Realtek ALC 4042, was an sich keine schlechte Wahl wäre, würde man hier auch ein äquivalentes Eingabegerät anschließen. Genau da hapert es aber.

 

Man verbaut anstelle einer ordentlichen Super-Niere im Großformat eine kleine 16-mm-Elektret-Kapsel mit einem recht hohen Eigenrauschen, die eine Nieren-Charakteristik haben soll. Was dem aber so nicht wirklich ist, denn mit Vergleichsmessungen ähnelt das ganze eher einer omni-direktionalen Kugel mit einer nur sehr leichten Delle auf der Rückseite. Leicht, aber im Leben keine echte Niere. Dass dies für den Aufbau Konsequenzen hat, steht natürlich außer Frage. Dumm nur, dass Hinten plötzlich das neue Vorn ist!

Die Kapsel zeigt nämlich in Richtung Rückseite und wer von dort spricht, wo das Logo prangt, liegt schon komplett falsch. Niere? Hier hatte es wohl eher jemand mit den Augen. Mal abgesehen davon, dass diese 2-USD-Kapsel in dieser Preisklasse nichts verloren haben sollte, ist sie auch noch falsch herum ausgerichtet! Bei aller Liebe zum kleinen Preis, das ist leider schlichtweg falsch gebaut. Und es dürfte sich auch nicht um einen zufälligen Montagefehler handeln, denn der Einsatz ist mittels Nase gehen ein Verdrehen gut gesichert.

Das Licht muss auch Speedlink irgendwann aufgegangen sein, denn man liest auf der Homepage, gut versteckt in einem zusammengeklappten Spoiler, dann diesen Satz: “Achte in beiden Fällen darauf, dass du das Mikrofon mit der Seite in deine Sprechrichtung drehst, auf der sich das Speedlink-Logo NICHT befindet. Nur so profitierst du von der Nieren-Richtcharakteristik“. Ach so ist das, nun ja. Man hätte das natürlich auch in der Produktion ändern können. Nur muss man das auch wollen. Und um es noch zu ergänzen: es macht fast keinen Unterschied, denn echte Niere geht anders.

Ich habe nach den Messungen auch diverse Reviews gelesen und vor allem auch auf YouTube geschaut. Also entweder, ich habe ein komplett anderes Produkt erhalten, oder aber die Testergebnisse sind dort bar jeglicher Realität. Ich möchte jetzt niemandem etwas unterstellen, aber ohne vergleichbare Modelle getestet und gehört zu haben kann man die meist euphorischen Resultate eigentlich nur mit einem sehr unterdurchschnittlichen Anspruch der Testperson an sich selbst und die Umwelt begründen. Und ja, wir haben hier ein Gerät aus dem Bereich über 100 Euro vor uns, dass sich an diesem Preis auch messen lassen muss.

Installation

Das Festschrauben am Tisch ist einfach. Aber die Positionierung ist im vertikalen Bereich reichlich unbequem und der Beiß-Schutz ist es nicht minder. Den habe ich gleich mal weggelassen, denn man braucht so etwas wirklich nur bei echten, polarisierten Großmembranen und nicht bei so einer Winz-Kapsel. Da kann man auch ein Lama vors Mikro setzen, es wird technisch keinen Unterschied ausmachen. Die Spinne zur Körperschallentkopplung tut es ganz gut, nur bei der Ausrichtung habe ich einige Probleme. Vertikal hängend oder stehend ist schwierig einzustellen und wenn man davon ausgeht, dass die Kapselöffnung dorthin zeigt, wo das Logo am Mikro aufgedruckt ist, hat man schon verloren (siehe Tear-Down). Oder aber man klappt sich auf der Webseite bis zur Wahrheit durch.

Am Ende habe ich mich für die klassische Sprecherposition entschieden (siehe nächste Seite), da dort der Klang noch mit am besten war und vor allem auch ergonomisch fast alles passte – ungestörtes Blickfeld auf den Monitor inklusive. Auf der nächsten Seite gibt es dann zudem auch noch den Hörtest und die Probeaufzeichnungen zum Vergleichen. Messen konnte ich das Mikrofon diesmal allerdings nicht, dafür waren leider der Pegel zu niedrig und im Umkehrschluss das Rauschen zu stark. Damit kann man keine seriösen Frequenzverläufe messen. Aber auch beim Zuhören allein wird einem schnell klar, was ich hier eigentlich getestet habe.

User Guide