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Nvidia GeForce RTX 2070 Founders Edition im Test – Komplizierte Gleichung mit vielen Unbekannten | Launch-Review

Ich schrieb es ja bereits in der Vorbemerkung, dass ich mich diesmal nur auf die Fotos Dritter verlassen konnte und musste. Die Platine der Founders Edition hinterlässt einen eher zwiespältigen Eindruck, denn so sehr ich die beiden Referenzplatinen der GeForce RTX 2080 und 2080 Ti gelobt habe (übrigens zu Recht), ist die eingekürzte Platine der GeForce RTX 2070 FE nun doch deutlich einfacher ausgefallen. Man sieht die Bestrebungen möglicher Einsparungen an allen Ecken und Kanten.

Auf den zweiten Blick fehlt auf der Platinenrückseite nämlich auch noch etwas anderes auf. Statt wie sonst aus China, stammt die FE, von der diese Bilder gemacht worden sind, aus Hong Kong – hergestellt bei TTM Technologies. Mir ist dieser Unterschied damals bereits bei der GeForce GTX 1060 FE aufgefallen, die im Gegensatz zur GTX 1070, 1080 und 1080 Ti ebenfalls von TTM und nicht ausschließlich unter Nvidias eigener UL-Nummer gefertigt wurde und zudem ebenfalls nur sehr spärlich als FE gesampelt wurde.

Nun muss man vielleicht dazu auch noch wissen, dass TTM eigentlich für „Time-To-Market“ steht und sich dieser große Hersteller exakt auch darauf spezialisiert hat, zeitkritische Serien quasi adhoc und aus dem Stand zu fertigen. Diese in homöopathischen Dosen und überwiegend in Nordamerika verschickten Pressesamples sind also offensichtlich nicht die übliche Massenproduktion der hauseigenen Karten, sondern eine kurzfristig auf den Markt geworfene Lösung (die zudem ziemlich kostenintensiv gewesen sein dürfte).

Ich bitte auch, die Bildqualität zu entschuldigen, da sie von einem dritten Kollegen stammen, der diese Karte eigentlich gar nicht testen wollte und fototechnisch auch nicht passend ausgerüstet ist. Deshalb müssen seine Smartphone-Aufnahmen diesmal reichen, so ärgerlich das auch am Ende für alle ist. Werfen wir zunächst einen Blick auf die deutlich eingekürzte Platine mit dem Energieversorgungsanschluss als eine Art angeflanschtem Wurmfortsatz.

Wir sehen sechs einfache Spannungswandler-Phasen für die GPU-Spannungsversorgung, sowie zwei weitere für den Speicher. Für die GPU setzt man auf einen uP9512R, der bis zu 8 Phasen erzeugen könnte, hier jedoch nur 6 liefern muss. Den Speicher übernimmt ein kleiner uP1666, der nur zwei Phasen liefern muss. Beide PWM Controller stammen von UPI.

 

 

Die Spannungsregelung übernehmen diesmal mit dem NCP 302155 von ON Semiconductor insgesamt acht (6+2) günstige Dual-MOSFETS für die High- und Low-Side, die zudem über einen integrierten Treiber verfügen. Auf die deutlich teureren und besseren Smart Power Stages der 2080er Karten verzichtet man zugunsten der Kosten. Allerdings fällt somit auch das Monitoring von Stromfluss und Temperaturen weg (IMON, TMON).

Damit weicht die GeForce RTX 2070 sehr deutlich von dem ab, was wir im Theorie-Artikel zur 8-Phasen-Spannungsversorgung und der Qualität der erzeugten Spannungen geschrieben haben. Schade eigentlich, denn das PCB geht bei der Komplexität wirklich mehr in Richtung GeForce GTX 1060. Interessant ist allerdings der relativ neue uP7561Q, ein Two Channel Power Input Management IC fürs Monitoring auf der Rückseite.

Geglättet wird das Ganze für die GPU mit den üblichen 220mH-Spulen, beim Speicher sind es dann sogar welche mit 470mH. Es sind wie immer gekapselte und vergossene Ferritkern-Spulen, allerdings von einem abweichenden Hersteller als sonst. Dass die Karte über ein Single-BIOS verfügt, ist kein Geheimnis und weitere Feinheiten konnte ich auf den Bildern auch nicht erkennen. Womit ich dann auch durch wäre.

Das Label auf dem Speicher weist diesen, wie auch auf der GeForce RTX 2080 (T)i, als MT61K256M32 von Micron aus. Dabei handelt es sich um 8GB GDDR6 SGRAM-Module (2 Channels x 256 Meg x 16 I/O, 2 Channels x 512 Meg x 8 I/O), die mit einer Bandbreite von 14Gb/s aufwarten. Da insgesamt acht Module verbaut sind, ergibt sich auch der Speicherausbau von 8 GB.

 

Einer für alle, alle auf einen?

Die Energieversorgung über eine externe Buchse ist zudem, wie schon bei der GeForce GTX 1060 FE, reichlich ungewöhnlich gelöst und in dieser Leistungsklasse zumindest hinterfragenswert, zumal die Lötaugen für eine native Buchse diesmal  ja sogar vorhanden sind. Doch worum geht es? Der 6-Pin-Anschluss der GeForce GTX 1060 FE musste damals ganze 62 Watt liefern, so dass im Schnitt ca. 5,2 Ampere flossen. Verteilt auf drei Adern, die an der Leiterplatte in einem einzigen Lötauge verdrillt, verzinnt und verlötet wurden, ist das durchaus vertretbar und in jeder Hinsicht auch praktikabel (siehe Bild).

Doch so eine GeForce RTX 2070 ist nun mal keine 120-Watt-Grafikkarte, sondern Nvidia gibt die Leistungsaufnahme selbst und ohne OC bereits mit 185 Watt an. Auch das allein ist noch kein Beinbruch, denn eigentlich sieht der geübte Leser ja einen 8-Pin-Versorgungsanschluss, der in der Theorie locker reichen sollte. Bei der RTX 2070 sieht es allerdings schon etwas gewöhnungsbedürftig aus, wie die Kabel zusammengefasst und verlötet wurden. Hier könnten bis zu 11 Ampere fließen, wobei nicht die insgesamt fünf Masseleitungen (3 + 2) das Problem sein sollten, sondern die drei roten 12V-Leitungen (siehe Bild unten).

Leider kann ich die kursierenden Meldungen über Hotspots an genau dieser Stelle mangels IR-Messung weder bestätigen, noch entkräften und gebe damit unbewertet nur das weiter, was an Informationen durch Dritte verfügbar war. Sollte sich später doch noch die Möglichkeit eines eigenen Tests ergeben, dann werde ich dies selbstverständlich nachreichen…

 

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.