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Nvidia GeForce RTX 2060 Super im Test – mehr Speicher, größerer Chip, schneller und auch etwas durstiger

Die GeForce RTX 2060 hat zum Launch diverse Schelte bekommen, vor allem auch wegen des eher mageren Speicherausbaus von nur 6 GB, was dem Kaufpreis eigentlich nicht angemessen war. Nun also soll alles Super werden und man peilt mit einer UVP von 419 Euro incl. MwSt. am Ende ja auch eine sehr ähnliche Käuferschicht an. Wobei immer noch die Frage im Raum steht, wie sich der Straßenpreis bei den Boardpartner-Modellen entwickeln wird, denn das war ja die große Schwäche nach dem damaligen Launch. Aktuelle GeForce RTX 2060 gibt es ja mittlerweile ab ca. 340 Euro Straßennpreis.

Vorbemerkung

Ohne zu sehr auf Interna einzugehen, muss ich diesmal voranstellen, dass dieser Artikel ausschließlich hier in Deutschland in meinem Labor entstanden ist und nicht mehr in der gewohnten Kooperation mit meinem geschätzten US-Kollegen Chris Angelini. Warum diese 10-jährige und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit so kurz vorm Launch administrativ sehr strikt unterbunden wurde, lässt sich zwar erahnen, aber ich werde es nicht weiter kommentieren.Trotzdem geht mein Dank an dieser Stelle noch einmal explizit an den geschätzten Kollegen, denn es war eine sehr interessante und für alle Beteiligten auch sehr effektive Kooperation.

Natürlich gibt es auch diesmal Benchmarks, auch wenn die Zeit wirklich knapp geworden ist. Denn sie gehören nun mal essentiell mit dazu. Was allerdings dem Ganzen die Krone aufgesetzt hat, ist Windows 1903, also das Mai-Update einschließlich aller enthaltenen Funktionsupdates und Patches (der Patches). Wichtige Benchmark-Hilfsmittel wie z.B. PresentMon funktionieren zwar noch, aber oftmals nicht mehr ganz so, wie sie eigentlich sollen. Deshalb mussten einige Spiele aus dem Parkour weichen, weil deren Resultate keiner tieferen Prüfung standhielten, da in der Aufzeichnung konstant Frames fehlten. Zwar bei allen Karten und sehr ähnlich, aber es ist schon allein über die Summe leicht nachzurechnen.

 

 

Quo Vadis RTX 2060?

Die GeForce RTX 2060 hat zum Launch diverse Schelte bekommen, vor allem auch wegen des eher mageren Speicherausbaus von nur 6 GB, was dem Kaufpreis eigentlich nicht angemessen war. Nun also soll alles Super werden und man peilt mit einer UVP von 419 Euro incl. MwSt. am Ende ja auch eine sehr ähnliche Käuferschicht an. Wobei immer noch die Frage im Raum steht, wie sich der Straßenpreis bei den Boardpartner-Modellen entwickeln wird, denn das war ja die große Schwäche nach dem damaligen Launch. Aktuelle GeForce RTX 2060 gibt es ja mittlerweile ab ca. 340 Euro Straßennpreis.

Die neue S(uper)-Klasse könnte nun durchaus besser geeignet sein, der Lok des Raytracing-Hype-Trains noch ein paar Schippen mehr Kohle in die Befeuerung zu werfen. Wobei ich mir sicher bin, dass sich die Akzeptanz der neuen GeForce RTX 2060 Super diesmal ausschließlich über den Preis und die mögliche Mitbewerbersituation definieren wird. Das Produkt an sich ist nicht schlecht, zumal es die originale RTX 2060 ja nicht ablösen wird, sondern sich diese Karte nach unten orientieren muss. Und wer die „kleine“ RTX 2060 nicht mag, wird sich sicher über eine dann nötige Preiskorrektur bei den Turing-GTX-Modellen freuen. Zumindest bei den GeForce GTX 1660 (Ti).

 

Der TU106-410 der GeForce RTX 2060 Super

Der TU106-410 der GeForce RTX 2060 Super wird gegenüber der Vollvariante TU106-400 auf der RTX 2070 auf nunmehr noch 2176 CUDA-Kerne, 272 Tensorkerne, 34 RT-Kerne, 136 TMUs und 64 ROPs reduziert. Die Karte wird Taktfrequenzen im Bereich von 1470 MHz (Basistakt) und 1650 MHz (Boost) aufweisen und damit gleichzeitig bis zu 7 TFLOPS Rechenleistung liefern können. Die 34 RT-Kerne können rund 6 Giga-Rays pro Sekunde an Raytracing-Leistung liefern.

Im Vergleich zur RTX 2060 besitzt die RTX 2060 Super wieder 4 MB L2-Cache statt der drei MB der RTX 2060. Ansonsten gilt alles, was ich bereits in den Launchartikeln zur GeForce RTX 2070 FE und zur GeForce RTX 2060 FE geschrieben habe. Und wer sich noch einmal im Detail über die ganzen RTX-Features informieren möchte, der sei auf meinen ellenlangen Grundlagenartikel „Nvidia GeForce RTX 2080 Ti und RTX 2080 vorgestellt – was sich hinter Turing wirklich verbirgt“ zum Thema RT verwiesen. Auch das ist lesenswehrt und lohnt sich sicher.

Unbeschnitten behält auch der TU106-410 den gleichen 256-Bit-Speicherbus wie der TU106-400 bei, an den acht 1 GB große GDDR6-Speichermodule mit 14 Gb/s Datenrate angebunden wurden, was zu einer Bandbreite von bis zu 448 GB/s führt. Wie bei der GeForce RTX 2070 ist die NVLink-Unterstützung in dieser Preisklasse längst nicht mehr gegeben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, aber was soll’s.

Obwohl der TU106 die bisher am wenigsten komplexe Turing-basierte GPU ist, enthält sein 445 mm² Chip nicht weniger als 10,8 Milliarden Transistoren. Das ist immer noch enorm für das, was Nvidia einst als die Mitte ihres Portfolios betrachtet haben könnte. Im Vergleich dazu war der GP106, also der „Midrange Pascal“, ein kleiner 200 mm² Chip mit 4,4 Milliarden Transistoren.

 

Unboxing und technische Daten

Die Karte kommt optisch leicht verändert daher, wobei die spiegelnde Fläche auf der Abdeckung eine tolle Fingerabdruckskartei darstellt. Bei den Anschlüssen setzt man auf einen Dual-Link DVI-Ausgang (ohne analoges Signal), dafür nur zwei DisplayPort-Anschlüsse und einen HDMI-2.0-Anschluss. Die USB-Typ-C-Buchse ist mit am Start, aber NVLink fehlt. Der Rest ist wie gehabt und für die Details gibt es ja auch noch den kompletten Tear Down.

Einen ersten Überblick verschafft uns hier die neueste Version von GPU-Z:

Statt einer eigenen Analyse habe ich aber wenigstens die technischen Daten im Überblick, für die man keine physikalisch vorhandenen Testobjekte braucht:

  GeForce RTX 2060 Super
GeForce RTX 2060 FE GeForce RTX 2070 FE
GeForce GTX 1070 FE
Architektur (GPU)
Turing (TU106-410) Turing (TU106-300) Turing (TU106-400) Pascal (GP104)
CUDA Cores
2176 1920 2304 1920
Tensor Cores
272 240 288 N/A
RT Cores
34 30 36 N/A
Textureinheiten
136 120 144 120
Base Clock Rate
1470 MHz 1365 MHz 1410 MHz 1506 MHz
GPU Boost Rate
1650 MHz 1680 MHz 1710 MHz 1683 MHz
Speicherausbau
8GB GDDR5 6GB GDDR6 8GB GDDR6 8GB GDDR5
Speicherbus
256-bit 192-bit 256-bit 256-bit
Bandbreite
448 GB/s 336 GB/s 448 GB/s 256 GB/s
ROPs
64 48 64 64
L2 Cache
4 MB 3 MB 4MB 2MB
TDP
175 W 160 W 185W 150W
Transistoren
10.8 Mrd. 10.8 Mrd. 10.8 Mrd. 7.2 Mrd.
Die-Größe
445 mm² 445 mm² 445 mm² 314 mm²
SLI
Nein Nein Nein Ja (MIO)

Testsystem und Messmethoden

Das Testsystem und die -methodik habe ich im Grundlagenartikel “So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017 bereits sehr ausführlich beschrieben und verweise deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen. Da ich mittlerweile hier in Deutschland unabhängig teste, wurde das Testsystem auch noch einmal aufgerüstet, ohne auf Kollegen Rücksicht nehmen zu müssen.

Diesbezüglich geht mein Dank explizit an MIFCOM in München, die uns die passenden Intel-CPUs zur Verfügung stellen, da Intel zu keinerlei Sampling bereit war und ist. Aus Gründen der Objektivität akzeptieren wir zudem auch nur Angebote, an die keinerlei inhaltlichen Bedingungen geknüpft sind.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i9-9900 KF
MSI MEG Z390 ACE
2x 8GB KFA2 HoF DDR4 4000
1x 1 TByte Patriot Viper (NVMe System SSD)
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor: Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
1x Optris PI640, 2x Xi400 Infrarotkameras
Pix Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Betriebssystem Windows 10 Pro (1903, alle Updates), Treiber Stand 28.06.2019

 

 

 

 

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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