SSD/HDD Testberichte

Netac N600S 720GB SSD im Test


Dank günstigem und in einer hohen Stückzahl verfügbarem QLC-Flash-Speichers werden die Preise für SSDs immer attraktiver. 1TB gibt es in einigen Online-Shops mittlerweile für unter 150 Euro. Natürlich liegen im Vergleich zu HDDs – hier kosten 1TB weniger als 40 Euro – weiterhin Welten zwischen den Preisen. Doch wer höhere Schreib- und Lesegeschwindigkeiten sowie geringere Geräuschentwicklungen möchte, muss ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Einen noch besseren Kompromiss als QLC-NAND könnten SSDs aus Asien darstellen. Einen solchen Speicher im 2,5-Zoll-Format habe ich mir erst vor Kurzem zugelegt.

Wer einen Blick in den Online-Katalog unseres Partners Geizhals wirft, wird in erster Linie die allseits bekannten Firmen wie Samsung, Seagate, Western Digital, Toshiba, Crucial und einige mehr vorfinden. Schaut man hingegen über den Tellerrand, findet man schnell Produkte von Firmen, von denen vermutlich kaum einer von uns jemals gehört hat. Netac ist ein solches Unternehmen, das neben besagten SSDs auch USB-Sticks und (micro-) SD-Karten im Sortiment von Geekbuying listet.

Die SSD mit einer Kapazität von 720 GB, die ich mir im besagten Shop ausgesucht habe, wird bei Sonderaktionen zwischen 65 und 75 Euro angeboten. 670 GB stehen dabei zur freien Verfügung. Zum Vergleich: Intel hat mit der 545s für 75 Euro einen Flash-Speicher mit nur 512 GB im Portfolio. Bei Crucial zahlt man für die MX500 – ebenfalls 500 GB – hingegen nur 58 Euro. Für das 1TB-Modell werden wiederum schon 120 Euro fällig. Die Netac N600S schließt also nahezu perfekt die Lücken sowohl bei Kapazität, als auch beim Preis, die von den großen Brands hinterlassen werden.

 

Detailansicht

Die Netac N600S habe ich, wie schon eingangs erwähnt, bei Geekbuying geordert und mir aus China schicken lassen. Während ich keine selbst keine Probleme oder Zusatzkosten mit der Zollabfertigung hatte, kann es passieren, dass 19% MwSt. – also in dem Fall 14,25 Euro – als Einfuhrumsatzsteuer berechnet werden. Der Versand nach Deutschland war hingegen kostenlos.

Das eloxierte Alu-Gehäuse der SSD ist in einem hübschen Himmelblau gehalten und weist neben dem Netac-Logo auch vier Linien zur Verzierung auf. Einige Casemodder werden die SSD sicherlich gut und plakativ in ihre Systeme einbauen können.

Um das Gehäuse zu öffnen, nutze ich einen herkömmlichen Schlitzschraubenzieher und hebele nacheinander die vier kleinen Halterungen aus. Natürlich wird dabei der „Warranty Void“-Sticker ignoriert. Im inneren ist die Platine an vier Schrauben befestigt. Beide Gehäuseteile weisen eine Isolierung auf, damit weder Bord, noch die Chips direkten Kontakt zum Aluminium haben.

Netac scheint eine Vorliebe für Blau zu haben, denn auch das besagte Board selbst passt farblich zum Gehäuse. Die Modellnummer „SASS58XA4-6E“ verwirrt auf den ersten Blick, denn die SSD wird über SATA und nicht über SAS an den PC angeschlossen. Die Produktion meiner Netac N600S war übrigens am 21.04.2018 – auch diese Information ist auf dem PCB vermerkt.

Zwei Chips sind bereits verlötet, für drei weitere wären zumindest passende Verbindungen verfügbar. Diese werden vermutlich bei den Modellen mit einer höheren Kapazität genutzt. Beim Controller entscheidet sich Netac für den SM2258XT von SiliconMotion. Er unterstützt TLC und 3D-NAND und bietet dank propietärem NANDXtend auch eine ECC-Funktionalität. Der Durchschnittliche Verbrauch liegt bei 50mW.

SM2258XT_Product_Brief_ENG_Q1109

 

Angetrieben wird der SM2258XT von einer 32-bit RISC CPU und kommuniziert über einen 64-bit großen Bus. Zur Überwachung der Speicher-Temperatur verbaut SiliconMotion einen Temperatursensor. Beim Package handelt es sich um ein 144-ball TFBGA

Ich habe ja bereits erwähnt, dass der Controller TLC und 3D-NAND Flash unterstützt. Netac nutzt eben jenen TLC-Flash, unterstützt diesen aber zusätzlich durch einen integrierten SLC-Cache mit einer Kapazität von 32 MB.

144Ball_XFBGA_7x7mm_TZ_C04337A

 

Auf dem einzigen Speicherchip, der auf dem PCB verlötet ist, steht die Produktbezeichnung „29F04T2AWCMCMG4 172227“, eine Marke oder die Produktionsstätte ist nicht vermerkt. Die Produktzeichnung lässt sich auf „29F04T2AWC“ herunterbrechen und offenbart damit, dass der 3D-Flash von Intel kommt und in 10nm gefertigt wurde. Der 32-Layer-Stack setzt auf ein 4-Plane-Design und hält ca. 3 Petabyte an geschriebenen Daten aus.