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Mit Labortechnik gegen Mythen und Click-Bait-Videos: das Ei in der Kühlschranktür

Nein, es hat nichts mit Computertechnik zu tun, noch nicht einmal entfernt mit Ei-T. Aber ich ich hatte es einfach satt, mir stets und ständig den gleichen Unfug ansehen bzw. diesen lesen zu müssen. Irgendwann ist auch beim geduldigsten Konsumenten der deutschen Qualitätsmedien die gewisse Grenze erreicht, wo man seinen Mageninhalt einfach nur noch entleeren möchte. An diesem Punkt war ich genau bei einem Video auf Focus Online angekommen und ja, ich musste einfach mal selbst ein Video dazu machen.

Die steile These, dass Eier deshalb nicht in die Kühlschranktür gehören, weil sie dann beim Öffnen selbiger sehr starken thermischen Schocks ausgesetzt werden würden, die ihrerseits wiederum zum und ins Verderben des Volkslebensmittels Ei führen sollen, war dann doch zu viel. Ich habe etwas Messlack und sonntägliche Zeit investiert, um diesem Mythos mit meiner Optris PI640 mal auf den Grund zu gehen. Ihr wisst schon, die Infrarot-Kamera, die normalerweise immer die zu heißen Speichermodule findet.

Diesmal ging es aber um das genaue Gegenteil, also den Cold Spot. Doch was bitte ist nun ein „Temperaturschock“ á la Focus Online? Analog zur Massenträgheit spricht man ja auch oft genug von der „thermischen Trägheit“ und es wird interessant sein herauszufinden, wie lange es braucht, bis man wirklich „eibedrohliche“ Temperaturveränderungen registrieren kann. Die Schale ist aus Kalk, einem sehr schlechten Wärmeleiter und ganz ohne Sinn hat auch hier die Evolution sicherlich nicht zugeschlagen. Denn auch eine Henne muss ja beim Brüten ab und an den Hintern hochbewegen.

Ich kenne solche Dinge wie Temperaturschocks nur aus der Entwicklung, um die Standfestigkeit bestimmter Baugruppen oder Leiterplatten zu testen. Das nennt sich dann Environmental- und Shock-Test, aber was hat das verflixt noch mal mit meiner Kühlschranktür zu tun? Im heutigen Video messe ich mal 5 Minuten lang, was mit der Temperatur wirklich passiert. Kühlschrank-Innentemperatur im Eierfach sind ca. 8 °C, die Umgebungstemperatur im Labor liegt bei ca. 22 °C. Der Rest sind teurer Messlack, eine kalibrierte Infrarot-Kamera und natürlich hEIner, ein braunes, freilandgelegtes Hühnerei.

 

 

Myth busted, aber sowas von. Und den Redakteuren gewisser Medien würde ich empfehlen, einfach noch einmal die Schulbank zu drücken. Wärmelehre, Klasse 8. Dafür reicht sogar die Hauptschule, wenn man denn aufpasst. Und wer sich daran erinnert, wie lange man braucht, um mit einer 90° heißen Backplate ein Ei zu verfestigen, der weiß auch, dass das mit dem Schock einfach nur Click-Bait ist. Sicher, es hat eher nichts mit unserem Hauptthemengebiet zu tun, aber es ist angewandte Technik für den Alltag.

Nach der Hälte der Zeit bildet sich am Boden bereits eine weiße, leicht geronnene Schicht.

 

Und was den Rest betrifft: was das Initial-Medium kann, können wir schon lange. Dafür richtig und begründet. Lasst also die Kühlschranktür keine 30 Minuten auf und bitte – vergesst meinen Tipp mit der Milch nicht. Der hat durchaus seinen Sinn. Ich wünsche Euch einen erfolgrEIchen Start in die neue Woche! So long… 🙂