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Intel verliert 5x mehr durchschnittliche Leistung als AMD durch Entschärfung der Schwachstellen

Intel hatte natürlich bereits eigene Benchmark-Ergebnisse für die Behebung der zuletzt aufgetretenen Schwachstellen veröffentlicht, aber Phoronix (eine bekannte Publikation, die sich auf Linux-bezogene Nachrichten und Tests spezialisiert hat), hat nunmehr eigene Tests durchgeführt und interessanterweise einen deutlich signifikanteren Einfluss finden können, als Intel selbst dargestellt hat..

Phoronix’ kürzlich durchgeführter Test aller Abhilfemaßnahmen unter Linux ergab nämlich, dass die Patches die Leistung von Intel-CPUs bei aktiviertem Hyper-Threading um durchschnittlich 16% reduzieren, während AMD-CPUs nur einen durchschnittlichen Verlust von 3% erleiden. Phoronix hat diese Prozentsätze aus dem geometrischen Mittel der Linux-Testergebnisse seiner eigenen Testsuite abgeleitet.

Aus Performance-Sicht verringert der Overhead der Patches die Lücke zwischen Intels Core i7-8700K sowie dem i9-7980XE auf der einen und AMDs Ryzen 7 2700X sowie dem Threadripper 2990WX auf der anderen Seite. Man muss jedoch auf  fairerweise anmerken, dass keiner der Intel-Chips bereits die Änderungen aufweist, die Intel im Stepping 13 der neunten Generation bereits hardwareseitig implementiert haben will.

Die Performance der Intel Chips wird mit Sicherheit noch mehr leiden, wenn Hyper-Threading (HT) deaktiviert wird, eine Maßnahme, von der einige Unternehmen (wie z.B. Apple und Google) meinen, dass sie aktuell der einzige Weg ist, um Intel-Prozessoren vollständig vor den neuesten Schwachstellen zu schützen. In einigen Tests von Phoronix reduzierte die Deaktivierung von HT im Extremfall die Leistung um fast 50%. Der Unterschied war jedoch in den meisten Fällen nicht ganz so groß, aber der Abstand vergrößerte sich in fast jedem Test um mindestens ein paar Punkte.

Das Ergebnis entstand dabei nicht nur aus den Tests mit den Patches für MDS (auch bekannt als Fallout, Zombieload und RIDL), sondern auch den Patches für frühere Exploits wie Spectre und Meltdown. Aus diesem Grund hat auch AMD im Endergebnis etwas an Leistung verloren, wenn die Gegenmaßnahmen aktiviert wurden, da auch AMD-CPUs für einige Spectre-Varianten anfällig sind. Aber hier handelt es sich wirklich nur um 3%.

Die Prozessoren von AMD sind immun gegen die neuesten Schwachstellen, und deren Benutzer müssen auch nicht das Simultane Multi-Threading (SMT) ausschalten, was in etwa dem HyperThreading von Intel entspricht, da AMD-Prozessoren bei aktiviertem SMT keine bekannten Sicherheitsfehler aufweisen. Benutzer mit Zen-basierten Prozessoren werden zudem den Unterschied wohl nie bemerken.

If looking at the geometric mean for the tests run today, the Intel systems all saw about 16% lower performance out-of-the-box now with these default mitigations and obviously even lower if disabling Hyper Threading for maximum security. The two AMD systems tested saw a 3% performance hit with the default mitigations. While there are minor differences between the systems to consider, the mitigation impact is enough to draw the Core i7 8700K much closer to the Ryzen 7 2700X and the Core i9 7980XE to the Threadripper 2990WX.” (Phoronix)

 

Die Leistungsreduzierung, die mit diesen Sicherheitspatches einhergeht, stellt für Intel mittlerweile eine echte Herausforderung dar, da man sich mit den Chips eh unter dem Druck der kommenden Desktop- und Server-CPUs von AMD sieht, die bereits im 7-nm-Fertigungsprozess geliefert werden. In vielen Fällen reduzieren die Abschwächungen den Leistungsvorteil von Intel gegenüber den bestehenden Ryzen-Prozessoren, und es besteht kein Zweifel, dass die Ryzen-Chips der nächsten Generation in der logischen Folge noch schneller sein werden. Das könnte sich in der Endkonsequenz schon sehr deutlich sowohl auf den Desktop-PC- als auch auf den Servermarkt auswirken.

Phoronix meinte dazu: “Obwohl es kleine Unterschiede zwischen den zu berücksichtigenden Systemen gibt, reichen die Auswirkungen der Gegenmaßnahmen aus, um den Core i7-8700K viel näher an den Ryzen 7 2700X heranzurücken”, was für die neuen 7nm Ryzen 3000 CPUs von AMD ein gutes Zeichen sein dürfte. So werden die potenziellen Verbesserungen von AMD in Bezug auf Taktfrequenz, IPC und Kernanzahl (wobei Ryzen 3000 theoretisch sogar bis zu 16 Kerne bieten könnte) sicherlich für einen interessanten Wettbewerb in den kommenden Monaten sorgen.

 

Quelle: Phoronix, Tom’s Hardware

 

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.