Innovation Cooling IC Graphite Thermal Pad im Test – Bequemlichkeit siegt, aber was ist mit der Performance?

Das Graphite Thermal Pad von Innovation Cooling (IC)  ist keine echte Neuerfindung, denn wärmeleitende Graphit-Pads und Graphen-Folien gibt es in der Industrie schon seit einigen Jahren. Trotzdem gab es zumindest für den Endanwender bisher nicht Brauchbares, das man auch in einer Einzelverpackung hätte bekommen können. Genau da aber setzt Innovation Cooling mit den neuen Pads geschickt an.

Man bringt diese Art Kühlpads nun auch endlich für die breite Masse, schön als konfektioniertes Einzelstück in der richtigen Größe für den staunenden Endverbraucher. Das wiederum ist recht löblich, denn es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes sehr saubere Lösung. Wobei die wichtigste Frage, wie die Kühlperformance am Ende so ausfällt, von mir später ausführlich noch in verschiedenen Szenarien geklärt wird.

Mit aktuell ab 10 Euro für das kleinere, 3 x 3 cm große Pad und sogar stolzen 14 Euro für das 4 x 4 cm große Pad, sind beide Angebote bereits schon beim Straßenpreis zweistellig, was in Anbetracht des Materialeinsatzes eine sehr selbstbewusste Ansage darstellt. ich werde also diese Pads auch an Ihrem Preis messen müssen, was die Messlatte noch einmal um Einiges höher legen dürfte. Da spielt das einfache Handling am Ende sicher nicht mehr die alleinige Hauptrolle.

Was macht die Pads so besonders?

Doch kommen wir erst einmal zurück zum Pad. Im Vergleich zu horizontal perfekt leitender Graphen-Folie, deren lineare Molekularstruktur solch hohe Wärmeleitkoeffizienten erst ermöglicht, geht IC einen etwas anderen Weg  Denn bei der Positionierung zwischen CPU und Kühlerboden nützt uns ja eine perfekte Leitfähigkeit in genau diese Richtung nichts, zudem auch eine sehr glatte Struktur purer Nonsens wäre.

Denn dann könnten wir auch gleich zwei plane Flächen aufeinander schrauben und gut ist es. Die Pads von IC sind vielmehr eine Art grobkörnigerer Kompromiss, wobei die Struktur sichtbar alles andere als glatt ist:

Betrachtet man das Ganze also durchs Mikroskop, dann sieht man sehr schön die einzelnen Kristalle, die eine etwas zerklüftetere Oberfläche ergeben. Das Pad ist in gewissen Maßen auch flexibel und zusammenpressbar, so dass sich zusammen mit der ebenfalls nicht völlig polierten Fläche des CPU Heatspreaders (Bild unten) in der Summe durch den Druck eine einigermaßen homogene und luftblasenfreie Verbindung entsteht. Zumindest in der Theorie.

IC gibt einen Wärmeleitkoeffizienten von 35 W/(m*K) and, was natürlich den der meisten Pasten um ein Vielfaches übertrifft. Doch die Crux liegt ja immer auch in der tatsächlichen Verbindung und der wirklich resultierenden Berührungsfläche ohne Lufteinschlüsse. Und genau da sehe ich bei polierten Kühlerböden enorme Nachteile.

Testaufbau mit 2 CPUs und zwei Folien

Zunächst teste ich einen ganz normalen Core  i7-8700K mit dem kleineren der Pads, welches exakt für diese CPUs gemacht wurde. Der Kühler ist ein Alseye Windcube LP – ein echter Exot und hier nicht erhältlich. Was eigentlich kein akustischer Verlust ist, denn der riesige Low-Profile-Klotz setzt auf Server-Lüfter und ist damit reichlich laut.

Aber er besitzt einen nicht polierten, etwas rauen Kühlerboden aus Kupfer und ist zudem auch performant genug, um diese CPU mit der als Referenz verwendeten Kryonaut von Thermal Grizzly auf 65°C bei Tpackage unter Prime95 (AVX an) zu halten. Ich habe im Einsatz knapp 160 Watt Verlustleistung gemessen, die an den Kühler abgeführt werden müssen.

Beim größeren Core i9-7900X liegt der Fall etwas anders. Hier kommt ein polierter Kühlerboden des Alphacool XPX zum Tragen, gekühlt wird alles mit dem Alphacool Eiszeit 2000 Chiller. Die Verlustleistung beträgt nun ca. 245 Watt und ich nutze diesmal bewusst den Chiller, weil ich in ungefähr gleiche Temperaturwerte erreichen möchte wie bei der kleineren CPU. Auch hier schafft der Chiller ca. 65°C mit der Kryonaut, an denen sich die Folie später dann messen muss.

Vorteile der Grafit-Pads und Mehrfachnutzung

Fakt ist, dass die Folie keine Burn-In-Zeit braucht, bis sie die (für sie) höchste Performance erreicht. Austrockenen durch austretendes Silikon können die Pads auch nicht und vor allem bleiben die Finger schön sauber. Dies alles steht auf der Haben-Seite der Offerte von IC. Man kann faktisch nichts falsch machen und auch die Haltbarkeit soll ja für mehrere Einsätze reichen. Doch stimmt das wirklich?

Auf dem Bild sehen wir zunächst eine leere und wie üblich verkleisterte Tube Wärmeleitpaste, denn ganz spurenfrei geht das mit der Paste ja nie. Doch was ist mit der Folie? Jede der Folien hat 15 Einsatze (ca. 50 Messungen) hinter sich – verschraubt mit verschiedenen Kühlern auf verschiedenen CPUs. Man sieht an den Ecken dann auch etwas dunklere Stellen, die aber nicht etwa Fingerspuren sind, sondern Einpressungen darstellen.

Hier glänzt die Folie etwas stärker, weil sie auch genau dort glatter ist, wo auch der Druck am höchsten war. Der Performance tut das nur geringen Abbruch. Das Delta der Vergleichswerte beim großen Pad lag zwischen der ersten und 15. Messung unter drei Kelvin. Das ist zwar schon oberhalb der Messtoleranz, aber gerade noch akzeptabel. Bei weniger als fünf Einsätzen sollte sich da noch nichts Weltbewegendes zeigen. Langzeittauglich sind die Pads also.

Aber die wichtigste Frage, nämlich wie gut sie am Ende auch performen, beantwortet das alles ja noch nicht. Genau dies tue ich aber auf der nächsten Seite. Also bitte erst noch schnell das Testsystem überfliegen und dann geschwind umblättern.

Testsystem
Hardware:
Intel Sockel 2066
Intel Core i9-7900X
MSI X299 Gaming Pro Carbon AC
4x 4 GB G.Skill RipJaws IV DDR4-2600

Intel Sockel 1151 (Z370):
Intel Core i7-8700K, Core i7-8700
MSI Z370 Gaming Pro Carbon AC
2x 8GB G.Skill TridentZ DDR4-3200@2666 MHzWindows 10 Pro (Creators Update)

Kühlung:
Alphacool Eiszeit 2000 Chiller
Alphacool Eisblock XPX
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Monitor: Eizo EV3237-BK (Workstation, Office, HPC)
Leistungsaufnahme:
Direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
2x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
2x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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