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Ein Leben auf Pump – warum wir den Intel Core i9-9900 KS bewusst nicht testen werden

Auch wenn sich die aktuelle Special Edition des Intel Core i9-9900K (nahezu ausschließlich) in Gaming-Szenarien die imaginäre Krone der schnellsten Consumer-CPU holen mag, bleibt bei mir als verantwortlichem Reviewer aus verschiedenen Gründen ein gewisser, sehr fader Beigeschmack zurück, so dass ich mich bewusst gegen einen Test entschieden habe. Mal abgesehen vom schlechten Verhältnis von Performance per Euro oder Watt und eine auf ein Jahr verkürzte Garantie, war es vor allem die notwendige die Art der Beschaffung, die mich davon abhielt.

Intel selbst sampelt wie immer nach einem altbekannten Schema, das eher auf Vitamin B und handverlesenen Redaktionen, als auf Interesse an breit aufgestellten Reviews basiert. Die alternativen Händlerangebote wären alle beide mit gewissen Bedingungen verknüpft gewesen, die über eine Vitamin-B-Kungelei noch hinausgegangen wären und vor allem Nachtests mit der gleichen CPU ausgeschlossen hätten. Die Motherboardhersteller müssen alle CPUs für ihre Medien-Arbeit zudem selbst bei Intel kaufen und ein Bundle aus Motherboard und CPU mit der Maßgabe beides schön nicht schlecht zu finden, widerstrebte mir im Innersten auch.

Es ist durchaus auch bemerkenswert, dass mir diese CPU  befreundete Influenzer für einen Test mal netterweise überlassen hätten, deren Leistung am Ende nur darin bestand, besonders den Karton und das Auspacken der eigentlichen Box medial schön in ihren Netzwerken auszuschlachten und wenn es hochkommt, mal ein Spiel anzuwerfen. Und wo liegt am Ende dann der Mehrwert eines solchen Reviews, das einem zudem die Zeit für andere Dinge stiehlt?

Déjà-vu de luxe – mehr Hitze ging damals nicht.

Es war am Ende ein Abwägen, ob man über seinen Schatten springen soll, oder ob man diesen überflüssigen Stint mit einem vorhersehbaren Ergebnis (mein 9900 KF läuft auch locker 5 GHz mit AVX) überhaupt mitnehmen soll. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich dieser Art von medialer Präsenz samt nötiger Anbiederung an diverse Quellen eher skeptisch gegenüberstehe. Wer unabhängige Tests will, muss vorher auch selbst und ohne Vorbedingungen liefern. Es ist für mich unverständlich, dass sich Intel ob der aktuellen Lage noch derartige Spielchen leisten kann und möchte.

Deshalb gibt es von von meiner Seite ein klares Nein, zumal auch rein zufälligerweise der Ryzen 9 3950X anfängt, sich langsam zu materialisieren (Spoiler).  Da konnte es Intel also nicht ungelegen kommen, handverlesenen Partnern ein Spielzeug für einen Platz in den Charts der kommenden Reviews zu überlassen. Ein Schelm, oder so. Die Ergebnisse der veröffentlichten Tests decken sich mit dem, was ich ich mit dem selektierten Core i9 aus meinem eigenen Testpool messen konnte, dafür hätte man wirklich keine neue CPU gebraucht.

Und genau an dieser Stelle unterscheiden sich dann auch die zwei Exoten Core i9-9900 KS und Ryzen 9 3950 X, denn der 3950X wird satte vier Kerne mehr haben als der bereits am Markt befindliche 3900X. Extremes Binning gibt es also auf beiden Seiten, aber der 3950 X wird eine komplett neue CPU sein und nicht nur eine ausgepresste Zitrone. Da ergibt ein Test schon deutlich mehr Sinn, auch wenn es wohl für die meisten Leser trotzdem unerreichbare Schaufensterware bleiben wird. Auf beiden Seiten.

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.