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AMD überholt NVIDIA zum ersten Mal seit Q3 2014 im GPU-Marktanteil (Jon Peddie Research) | Umfrage

Man kann es sehen, wie man möchte, aber der aktuelle Quartalsbericht von Jon Peddie Research (JPR) zeigt einmal mehr, dass es für AMD trotz aller vermeintlicher oder offensichtlicher Engpässe ein sehr positiv zu bewertendes Quartal war. Um das richtig einordnen und bewerten zu können, muss man aber zunächst den gesamten Markt betrachten. Jetzt ist Jon Peddie Research natürllich nur eine Quelle, aber die Zahlen lagen auch in der Vergangenheit nicht falsch, im Gegenteil.

Mein Kollege Usman Pirzada hat die Quelle deshalb einmal genauer betrachtet. Denn immerhin verzeichnete man einen Anstieg der weltweiten GPU-Auslieferungen um 9,8%. Die Lieferungen von NVIDIA blieben für das Quartal in weiten Teilen unverändert, während die von Intel sogar um um 1,4% zurückgingen. Insgesamt betrachtet, stieg der Versand von GPUs um 0,6% auf sequentieller Basis (Vergleich zum vorigen Quartal), lag aber um 10,4% unter dem Vorjahresquartal. Wenn man bedenkt, dass der gesamte PC-Markt im Vergleich zum Vorjahr im Aufwind ist, kann der Grund für den Rückgang des dGPU-Marktes nur auf den Krypto-Einbruch und die Überbestände zurückgeführt werden, welche die Märkte stark negativ beinflusst haben. Allerdings sieht es langsam nach Entspannung aus.

Laut Jon Peddie Research stieg der PC-Markt im Jahresvergleich um 3,07%, wo AMD NVIDIA erstmals seit dem dritten Quartal 2014 im Grafikmarktanteil überholt. Eine weiterere, sehr  bemerkenswerte Aussage ist, dass AMD NVIDIA in Bezug auf den Marktanteil überholt haben soll. Dies wiederum ergibt sich aus der Betrachtung der Charts und wäre, wenn es denn wirklich stimmt, eine Situation, die man seit 2014 so nicht mehr hatte, also immerhin seit 5 Jahren nicht mehr. Diese Charts-Grafik stammt übrigens aus einer kostenlosen Pressemitteilung, während sich der Rest der Analyse hinter der üblichen Paywall verbirgt:

 

Im zweiten Quartal 19 wurden laut Jon Peddie Research insgesamt 76,7 Mio. Einheiten ausgeliefert, was einem Rückgang von -8,93 Mio. Einheiten gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht, was darauf hindeutet, dass der Markt im Jahresvergleich (aus den oben genannten Gründen) negativ ist. Die  Ergebnisse und Trends kann man grob zusammenfassen:

  • Die Gesamtlieferungen von AMD stiegen von Quartal zu Quartal um 9,85%, die von Intel um -1,44% gegenüber dem letzten Quartal und die von Nvidia um -0,04%.
  • Die Attachment-Rate von GPUs (einschließlich integrierter und diskreter GPUs) bei PCs betrug im Quartal 120% und lag damit um -10,38% unter der des letzten Quartals.
  • Diskrete GPUs waren in 26,95% der PCs zu finden, somit -1,99% weniger als im letzten Quartal.
  • Der gesamte PC-Markt stieg von Quartal zu Quartal um 9,25% und gegenüber dem Vorjahr um 3,07%.
  • Desktop-Grafik-Add-in-Karten (AIBs), die diskrete GPUs verwenden, sanken gegenüber dem letzten Quartal um -16,62%.
  • Im zweiten Quartal 19 sanken die Tablet-Lieferungen gegenüber dem letzten Quartal.

Es ist erwähnenswert, dass der Anstieg des GPU-Marktes um 0,6% gegenüber dem Vorquartal ein wirklich positiver Indikator ist, da die Lieferungen in diesem Quartal saisonal in der Regel um 2% zurückgehen. Der Bericht erwähnt zudem weiter, dass es zwar gewisse Unsicherheiten in der Notebook-Lieferkette gibt, dass es aber im Gegenzug eine Menge Ankündigungen mit Verbesserungen in der Designphilosophie und bei den internen Spezifikationen gegeben 0hat. In Anbetracht der Präsenz von Zen und Intels brandneuen Prozessoren der 10. Generation wird erwartet, dass sich der Markt in dieser Branche bald wieder aufheizen könnte. Da die dGPU für die mobilen Endgeräte stärker und energieeffizienter geworden sind, sollten diese Zahlen wieder steigen.

GPUs sind in der Regel ein perfekter Frühindikator für den PC-Markt und wenn man bedenkt, dass deren Anteil um 10,4% gesunken ist, könnte dies auch als Vorwarnung angesehen werden. Glücklicherweise wird der Niedergang des PC-Marktes jedoch stark übertrieben dargestellt und die professionellen Schwarzmaler sprechen seit Jahren davon, ohne dass etwas davon wirklich eingetroffen ist. Wenn man bedenkt, dass der Krypto-Einbruch gerade hinter uns liegt, sieht das Gesamtergebnis noch gar nicht mal so schlecht aus, denn viele hatten es noch viel dramatischer prognostiziert.

Da Intel sich zudem vorbereitet, 2020 in den GPU-Markt einzusteigen und AMD mittlerweile auch NVIDIA wieder ordentlich zu fordern scheint, wird sich der dGPU-Markt mit Sicherheit neu entfalten können. Betrachtet man den aktuellen Verlauf und die Aussagen von Distriubutoren und Händlern, scheint NVIDIAs Super-Offensive nicht ganz so umsatzsteigernd gewesen zu sein, wie erhofft. Das sollte auch für NVIDIA Herusforderung und Warnung genug sein, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern auch technologisch und preislich wieder anzugreifen. RTX on oder off, im direkten Vergleich zu Pascal hat Turing leistungstechnisch weniger zulegen können, als es die meisten erwartet haben. Raytracing ist sicher wichtig für NVIDIA, kann aber den sonstigen technologischen Stillstand kaum kompensieren. 

Wie seht Ihr den Markt dedizierter Grafikkarten und die Entwicklung?

Quelle: Jon Peddie Research via wccftech.com

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.