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AMD Ryzen 9 3950X – 16 flinke Kerne für den Hausgebrauch und ein neuer Energiespar-Modus

Immerhin hat sich nun endlich auch die reale Verfügbarkeit für AMDs neues Consumer-Flaggschiff konkretisiert, die AMD für den 25.11.2019 ankündigt. Damit liegt man zwar fast 3 Monaten hinter der im Sommer kolportierten Markteinführung, kommt aber immer noch rechtzeitig genug, um voll ins Weihnachtsgeschäft mit einzusteigen. Das ist übrigens auch genau der Tag, an dem Intel Intel den Core i9 XE der 10. Generation als “Cascade Lake-X”  für den Markt freigeben soll. Zufälle gibt es…

AMD bietet mit dem längst erwarteten Ryzen 9 3950X nunmehr erstmals auch 16 Kerne in einer normalen Consumer-CPU außerhalb der HEDT-Plattformen. Bei Intel geht dies nicht, denn neben der viel größeren Strukturbreite des älteren Fertigungsverfahrens sind es vor allem die kleinen Gehäuse des Sockels 1151, die hier eine größere CPU seitens Intel (vorerst) unmöglich machen. Ein Ryzen und ein Core i9 von Intels HEDT-Plattform besitzen ja ungefähr auch die gleichen Platzverhältnisse unterm Heatspreader, so dass AMD genügend Platz für einen IO-Chip und zwei Chiplets bleibt. AMD reichen immerhin noch die 1331 Pins gegenüber dene 2066 Kontaktflächen der aktuellen Enthusiasten-Plattform von Intel.

Bei den Preisen vergleicht sich AMD in den eigenen Folien mit Intels aktuellem 12-Kerner Core i9-9920X, der die von AMD avisierten rund 750 USD mit einer UVP von rund 1200 deutlich überbietet. Allerdings zeigt ein Blick auf die aktuellen Straßenpreise, dass der Core i9-9920X bereits auf ca. 720 Euro inkl. MwSt. nach unten durchgereicht wurde. Der 16-Kerner Core i9-9960X ist zudem bereits auf 920 Euro gefallen, was für eine echte Kern-zu-Kern Betrachtung schon eher hingekommen wäre. Aber dann wären es ja keine Marketing- sondern Real-Life-Folien.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass in der Zusammenfassung zu den aufgeführten Tests am Ende des Dokuments (“Endnotes RZ3”) auch stellenweise von Intels 16-Kerner gesprochen wird, diese Tests aber in den Folie nicht aufgeführt werden. Entweder, es handelt sich hier um einen Schreibfehler (unwahrscheinlich), oder diese Folien wurden (wie auch die mit den hochgerechneten Core I9 der 10. Generation) nachträglich wieder entfernt (was schade ist).

Und auch in Bezug auf den Boost-Takt findet sich, versteckt in den Endnotes, ein interessanter Satz, der sich ziemlich diffus gibt und am Ende so viele Faktoren aufzählt, dass man unweigerlich an einen Pudding, eine Wand und den bewussten Nagel erinnert fühlt:

Die Performance-Vorschau ist interessant, denn gegenüber einem Ryzen 7 2700X, dem Flaggschiff der zweiten Generation, sieht man sich beim Cinebench bei der Single-Thread-Performance mit 22% im Vorteil, also noch einmal ein Prozent mehr, als man dem Ryzen 9 3900X zurechnet. Das darf man nicht mit der IPC verwechseln (Instructions Per Clock), denn der Vorsprung resultiert auch zu einem großen Teil aus den höheren Boost-Taktraten der neuen CPU. Inwieweit diese dann in welchem Umfang wann und wodurch auch real erreicht werden, das wird zu testen sein. Eine Diskussion über AGESA, Energiesparpläne und anderes wäre an dieser Stelle rein spekulativ, denn es soll wohl noch eine neuere Version von AMDs Microcode im Anmarsch sein. dann wird eh wieder neu gewürfelt.

Bei der Spiele-Performance vergleicht man sich in 1080p mit einem Core i9-9900K und dem Core i9-9920X. Allerdings gibt AMD leider keine Informationen zu den verwendeten Konfigurationen (Speichertakt und -Größe) sowie der verbauten Grafikkarte, zumal einige Ergebnisse, die Gleichstand suggerieren, auch aus einem möglichen GPU-Flaschenhals resultieren könnten. Auch hier wird also nachzutesten sein.

Der Blick auf die Anwendungsbenchmarks birgt hingegen keine Überraschungen, hier schlägt AMDs gebündelte Kernstrahlung in vollem Glanz zu. Trotzdem wäre der Vergleich zum 16-Kerner auch an dieser Stelle sicher nicht ganz uninteressant gewesen.

Das Gleiche gilt auch für die Effizienzbetrachtung, wobei hier der Trend sehr augenscheinlich in Richtung AMD weißt. Das würden die 4 Kerne mehr mit Sicherheit nicht ändern können. For allem das Gesamtsystem ist hier eine Betrachtung wert, denn die X299-Boards mit dem Sockel 2066 sind von Haus aus etwas hungriger bei der Leistungsaufnahme als die 1151-Boards mit Z390-Chipsatz.

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.