AMD rendert auch, nur anders: ProRender soll endlich auf die Zielgerade gehen | Siggraph 2018

Für diejenigen, die es noch nicht wissen: AMDs Radeon ProRender ist die physikalisch basierte Rendering-Engine von AMD mit kostenlosen Plug-ins für gängige Anwendungen zur Erstellung digitaler Inhalte wie Autodesk 3ds Max und Maya, Blender und Dassault Systèmes SOLIDWORKS und Creo. Radeon ProRender wurde speziell vor der Siggraph 2018 in Vancouver mit einigen wichtigen neuen Funktionen versehen, außerdem kündigt AMD Updates seiner Integration in Maxon Cinema 4D und Modo von Foundry an sowie veröffentlicht neue Plugins für PTC Creo und Pixars USD Viewport.

Man setzt den Fokus vor allem darauf, Dinge wie die Content-Erstellung einfacher zu gestalten und zu beschleunigen. Bereits Anfang 2018 wurden ja schon die Plug-Ins für 3ds Max, Maya und Blender mit einem verbesserten Uber-Shader für bessere, physikalisch basierte Rendering-Workflows aktualisiert und dieser Shader ist nunmehr in den neuesten Plug-In-Versionen noch einmal weiter entwickelt worden. Der verbesserte Uber Shader unterstützt nun diffuses Backscattering (Streuung), bietet eine einfachere Kaustik und eine verbesserte Darstellung glänzender Oberflächen (z.B. Lack)

Zusätzlich wurde ein Ambient Occlusion Node für verbesserte prozedurale Textur-Workflows hinzugefügt, z.B. um Texturen so richtig schmutzig aussehen lassen zu können. Camera Motion Blur wurde hinzugefügt, um eine sich bewegende Kamera beim Rendern von Animationen präzise wiederzugeben. Auch die Implementierung in weitere Standard-Applikationen und Erweiterungen wurde präsentiert.

Adaptive Subdivision, bisher nur im Plug-In für Blender verfügbar, wurde nunmehr auch zu den Plugins für 3ds Max und Maya hinzugefügt und ermöglicht es Künstlern, komplexe Formen aus einfachen Netzen zu rendern. Sogar an Photoshop hat man gedacht, so dass ProRender als Render-Plugin in geeigneten Workloads direkt angesprochen werden kann.

Schließlich beschleunigen Optimierungen für den Export in allen drei Plug-Ins spezielle Multi-App-Workflows bei der Arbeit mit großen und komplexen Szenen. Dass Plug-In für 3ds Max wurde aktualisiert, um auch 3ds Max 2019 zu unterstützen. Im Bild unten können wie sehen, wie ProRender in Unreal eingebunden wird, um die 3D-Echtzeit-Ansichten auf Wunsch einfach und final auf AMD-Hardware zu rendern.

Neue Technik für den neuen Ansatz

AMD brachte auf die Siggraph nicht nur neue Software, sondern auch Partner-Hardware mit, die auf recht reges Interesse stieß. So bietet der kleine APEXX T3 Midi-Tower alles, was man für eine recht potente Workstation braucht. Zusammen mit dem Threadripper 2990WX werkelt eine der neuen Radeon Pro WX8200 im PC, womit auch die wahre Zielgruppe dieser CPU im Fokus gehalten wird: ernsthafte Content-Produzenten und nicht irgendwelche Gamer auf der Suche nach dem Größten und Längsten.

Noch einen Schritt weiter geht Armari mit dem Magnetar. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein normaler PC entpuppt sich schnell als Hybrid aus Server und GPU-Box. Vier Radeon Pro WX8200 sitzen auf einem speziellen Server-Board mit Epyc-CPU und 128 GB RAM.

Da bleiben kaum noch Wünsche offen und keine Augen trocken, zumal das gute Stück wirklich kompakt daherkommt. Nur das mit der heißen Abluft sollte man sich aufstellungstechnisch gut überlegen. Da ist ein Plätzchen unterm Tisch sicher sinnvoller. Auch im Winter für die Füße.

AMD und CUDA? Geht durchaus, wenn auch nur huckepack als Aufsatz

EGPU heißt AMDs Flucht nach vorn und der Ansatz ist dabei sogar recht smart. Man nutzt einen Laptop mit Intel-CPU und einer Grafiklösung von Nvidia, damit CUDA in verschiedenen Umgebungen läuft und tut, was der Anwender erwartet. Da aber die Raytracing-Leistung solcher Notebooks mehr als nur limitiert ist, bietet man mit dem ProRender-Plugin faktisch für die meisten Standardapplikationen eine kostenlose Schnittstelle zu einer stationären Lösung und nennt es schlicht EGPU Rendering.

Mit einem Ryzen-PC und einer Radeon WX8200 oder WX9100 lässt es sich dann doch schon recht bequem und zeitsparend rendern, wenn man den Laptop an die mobile Technik anschließt. Das bringt in vielen Bereichen durchaus einen ordentlichen Schub und ist in der Anschaffung sogar noch verhältnismäßig günstig

Remote arbeiten und steuern? Rack mit Threadripper und Radeon Pro.

Es geht natürlich auch noch eine Nummer größer und zudem sogar ferngesteuert. Das Rack im Server-Raum bietet alles, was man zum gescheiten Arbeiten braucht. Da werden auch komplexere Aufgaben einfach räumlich ausgelagert und es kann und darf kombiniert werden was gefällt und benötigt wird. Interessant sind auch die Komponenten, denn der Anbieter setzt auf Ryzen Threadripper 2990WX und eine Radeon Pro WX8200, sowie relativ niedrige RAM-Module von Corsair.

Ansichten, Aussichten und ein Download-Link

AMDs Strategie ist gar nicht mal so dumm, denn am Ende wird sich nicht jeder die neue, heile RTX-Welt leisten können oder wollen. Der Ansatz, bestehende Infrastrukturen mittels kostenloser Plugins risikofrei zu erweitern, Features nachzuschieben und die eigene Hardware gleich durchs Hintertürchen mit einzubringen, ohne dass der laufende Betrieb gestört wird bzw. Soft- und Hardware getauscht werden müssen, ist einigermaßen geschickt gewählt. Zumal man eigentlich gar nicht anders kann, als sich als kostengünstige Alternative zu platzieren.

Mit etwas Glück und geschicktem Marketing kann das sogar recht gut gelingen, denn niemand ist zu langsam im Umsortieren bestehender Strukturen, wie die Industrie – wenn man von den ganz großen Playern mal absieht, die zudem meist auch Vorzugskonditionen bekommen. In mittleren und kleineren Firmen regiert  hingegen der spitze Stift in den jeweiligen Buchhaltungen.

Man kann das Ganze am Ende auch nicht einfach mal eben so als Nische abtun, denn auch das Ausweichen auf die breite Masse kann noch gute Gewinne abwerfen. Man muss halt nur die passenden Argumente bieten.

Wer möchte und Programme wie Blender, 3ds Max, Maya, Solidworks, Creo oder die Unreal Engine nutzt, darf mit dem ProRender-Plugin gern selbst ein wenig experimentieren. Der Download ist kostenlos, aber garantiert nicht umsonst:

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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