Grafikkarten Testberichte VGA

AMD Radeon RX 5700 und RX 5700 XT im Test – Der Raytracing-freie Sargnagel von Vega und bis zu 2.1 GHz Takt unter Wasser

Vorbemerkung

Drei große Launchartikel sind für eine quasi One-Man-Show eigentlich nicht zu stemmen, da war der Doppel-Launch schon eine echte Hürde. Aber irgendetwas geht dann doch und immer, so dass es auch von mir heute einen längeren Artikel zu Navi geben wird, der zudem auch einen recht exklusiven Part enthält, den man heute sicher nur hier lesen können wird. Denn ich habe genüsslich an der 2,1 GHz-Marke geknabbert, doch dazu später noch mehr. Erst einmal geht mein Dank an die neue Deutsch-Französische-Allianz, die ab sofort die atlantischen Leerstellen sicher bestens füllen wird, soweit ich das nicht alles selbst schaffe. Und lasst Euch auch in näherer Zukunft mal überraschen, denn da kommt noch mehr. Doch wenden wir uns nun AMD und Navi zu, denn genau diese zwei Karten feiern heute ihren Geburtstag. Ob es dazu noch eine extra Geburtsurkunde geben kann, wird sich später noch zeigen.

 

Die neuen Radeon X 5700 und RX 5700 XT

Die beiden heute veröffentlichten Karten zielen mit der neuen RDNA-Architektur und vor allem der ersten 7-nm-Fertigung auf den Mittelklasse-Markt. AMD bleibt dem bisherigen Kurs treu: Einfache Strukturen und vertretbare Effizienz sowie Grafikkarten, die für die Boardpartner am Ende auch profitabel sein sollen. Diese beiden Karten konzentrieren sich dabei auf Grundlegende und verzichten in dieser Generation auch noch auf Ray-Tracing und KI-Unterstützung.

Die eigentliche Zielgruppe hat AMD hingegen schon länger ausgemacht: die Spieler mit WQHD-Auflösung (2560 x 1440 Pixel) und all die Full-HD-Spieler mit wieselflinken Monitoren (144 Hz+). Ob dieses Rezept aufgeht, wird sich allerdings dann im Laufe der nächsten Monate noch zeigen müssen.

Zwei Referenzkarten sind jetzt und ab sofort verfügbar, die Custom-Karten der Boardpartner werden allerdings erst Ende des Sommers eintreffen. Deshalb teste ich heute auch nur die von AMD entwickelten Radeon RX 5700 und RX 5700 XT mit einem Blowerdesign und – Achtung Teaser! – einen Wasserblock-Prototypen von EKWB für die Auslotung der Übertaktungsmöglichkeiten. Da die Treiber laut AMD erst ab Mitte Juli soweit sein sollen, dass man auch Wattman nutzen kann, ist der Abschnitt für die Übertaktung heute erst einmal nur ein Appetitanreger und gleichzeitig ein Workaround für Frühstarter. Aber .hier werde ich zeitnah noch einen Artikel und ein Video nachschieben!

In der Tabelle finden sich gleich mehrere sehr ähnliche Funktionen zwischen den NVIDIA- und AMD-Karten. Der Unterschied kann man meist mit der Lupe suchen. Für alle Liebhaber der gepflegten Tabellenvergleiche habe ich hier die wichtigsten Daten zum Vergleich zusammengefasst:

Karte Radeon RX 5700 XT GeForce RTX 2070 Super FE Radeon Vega 64 GeForce RTX 2070 FE Radeon RX 5700 GeForce RTX 2060 Super FE Radeon Vega 56 GeForce RTX 2060 FE
Architektur (GPU) Navi 10 Turing (TU104-410) Vega 10 Turing (TU106-400) Navi 10 Turing (TU106-410) Vega 10 Turing (TU106-300)
CUDA Kerne / SP 2560
(40 CU)
2560 4096
(64 CU)
2304 2304 (36 CU) 2176 3584
(56 CU)
1920
Tensor Kerne keine 320 keine 288 keine 272 keine 240
 RT Kerne keine 40 keine 36 keine 34 keine 30
Textureinheiten 160 184 256 144 144 136 224 120
Theoretische Leistung 9,75 TFLOPS 9 TFLOPS FP32
+ 9 TOPS INT32
12,7 TFLOPS 7,5 TFLOPS FP32
+ 7,5 TOPS INT32
7,9 TFLOPS 7 TFLOPS FP32
+ 7 TOPS INT32
10,5 TFLOPS 6 TFLOPS FP32
+ 6 TOPS INT32
Tensor Leistung keine 72 TFLOPS keine 60 TFLOPS keine 57,4 TFLOPS keine 51,6 TFLOPS
RT Leistung keine 7 Giga Rays keine 6 Giga Rays keine 6 Giga Rays keine 5 Giga Rays
Textur-Füllrate (Gtexels/s) 304,8 325,7 395,8 233,3 248,4 224,4 330 201,6
Basis-Takt (MHz) 1605 1605 1274 1410 1465 1470 1156 1365
Boost-Takt (MHz) 1755 (typisch) 1905 (max) 1770 1546 1710 1625 (typisch) 1725 (max) 1650 1471 1680
Speicher 8 GB GDDR6 14 Gbps 8 GB GDDR6 14 Gbps 8 GB HBM 8 GB GDDR6 14 Gbps 8 GB GDDR6 14 Gbps 8 GB GDDR6 14 Gbps 8 GB HBM 6 GB GDDR6 14 Gbps
Busbreite (Bit) 256 256 2048 256 256 25 2048 192
Speicherbandbreite (GB/s) 448 448 483,8 448 448 448 410 336
ROP 64 64 64 64 64 64 64 48
L2-Cache
4 Mo 4 Mo 4 Mo 4 Mo 4 Mo 4 Mo 4 Mo 3 Mo
TGP/TBP 225 W 215 W 295 W 185 W 185 W 175 W 210 W 160 W
Mrd. Transistoren
10,3 13,6 12,5 10,8 10,3 10,8 12,5 10,8
Die-Fläche (mm²) 251 545 495 445 251 445 486 445
Node 7 nm 12 nm 14 nm 12 nm 7 nm 12 nm 14 nm 12 nm
MultiGPU CF SLI CF Nein CF Nein CF Nein

Der größte Unterschied betrifft allerdings die Chip-Größe: AMD-Chips sind im Vergleich zu den RTX- und Vega-GPUs geradezu winzig klein. Hier hofft AMD, von einer hohen Produktionsrentabilität profitieren zu können.

 

Die neue RDNA-Ära

AMD lässt die GCN-Architektur hinter sich – nach fast 7 Jahren, einem gutem und fortlaufenden Service und mehreren Verbesserungen auf Systemebene. Wir bewegen nun auf die RDNA-Architektur zu, die in den nächsten Jahren auch in mehreren Generationen verbessert werden soll.

Eine weitere bemerkenswerte Änderung: die Größe der Matrize (?) im Vergleich zu Vega! AMD kündigt eine 2,3-fache Leistungssteigerung pro Surface und eine 1,5-fache Leistungssteigerung pro Watt an.

Diese 50% mehr Leistung bei gleichem Verbrauch führt AMD zu einem Großteil auf den Wechsel zur neuen Architektur zurück. Für den Rest ist die Silizium-Güte und das Power-Management der GPU verantwortlich.

Für das weitere Verständnis gibt es hier den Großteil der AMD-Präsentation zur RDNA-Architektur:

In letzter Zeit hat AMD stark an seinen Treibern gearbeitet, um die Leistung der Grafikkarten so weit wie möglich zu optimieren und einige Funktionen hinzuzufügen, die den technologischen Rückstand im Vergleich zu den NVIDIA-Produkten kompensieren können. Und das mit Erfolg: Die neuesten Versionen der AMD-Treiber sind solide und die Leistungssteigerung ist spürbar. Für Navi fügt AMD ein paar Detailverbesserungen hinzu, wie z.B. eine Verringerung der Display-Latenzzeit für konkurrierende Spieler in sehr schnellen Spielen könnte interessant werden. Ganz zu schweigen von einer Verbesserung der Energieeffizienz-Funktion Radeon Chill. Nur sind hierfür eben auch stets die Treiber in der Pflicht.

 

AMD RIS (Radeon Image Sharpening)

Zu den Neuerungen gehört auch die Einführung der Bildschärfung, insbesondere im Zusammenhang mit NVIDIAs DLSS (nur im exklusiven Vollbildmodus). Nur dass es bei AMD auch ohne die Vorarbeit einer externen KI funktioniert. Man braucht allerdings einen externen Grabber am HDMI-Ausgang oder direkte Fotos vom Monitor, um die Auswirkungen von Radeon Image Sharpening überhaupt zeigen zu können. Da diese Technik anstelle von Screen-Upscaling eingesetzt wird, indem GPU-Upscaling und die RIS-Option aktiviert werden, klappt dies auch nur, wenn die gewählte Auflösung am System niedriger ist als die des Bildschirms. Und es funktioniert aktuell aber nur im exklusiven Vollbildmodus und auch nur für 4K-Upscaling.

Hier werden noch einige weitere Tests fällig werden, aber im Moment, haben wir aus Zeitgründen den den Monitor abfotografiert, damit die Details auch aus Sicht des Spielers sichtbar zur Geltung kommen. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber es zeigt, dass das RIS ziemlich effizient und clever agiert, während NVIDIAs DLSS (hier in der neuesten Version unter BF5), sich in einer viel zu ausgeprägten Glättung verliert, die alle Details der Texturen verschmiert bzw. ganz verliert.

Wir vergleichen RIS mit anderen Hochskalierungstechniken, einschließlich der 67%-igen Auflösungsskala von Battlefield V in 4K, die auch dem Software-Upscaling entspricht, das eindeutig der stärkste Kontrahent von RIS ist. Das klassische, monitorseitige Upscaling von WQHD auf dem 4K-Bildschirm ist deutlich weniger effektiv. Die nachfolgenden Galerien zeigen den Unterschied zwischen den Lösungen:

Hier noch einmal eine Detailaufnahme, die auch den möglichen Inhaltsverlust bei DLSS zeigt.

 

Unboxing und technische Daten der Radeon RX 5700 XT

Das aktuelle Spitzenmodell kommt mit einer Delle, die weder von Tors Hammer noch Lisa Handkante stammt, wohl aber auffällt. Ob es dann jedoch gefällt oder durchfällt, muss der Leser für sich selbst entscheiden. Auffällig sind jedoch neben der Delle auch der vorlaute Radiallüfter mit 7 cm Durchmesser sowie die beiden Spannungsverorgungsanschlüsse (8+6 Pin).

Ansonsten ist die Optik eher zeitlos. Zumindest der Radeon-Schriftzug leuchtet rot. Ansonsten hat man auf jegliche Spielereien verzichtet. Auch das kann durchaus seinen ganz eigenen Charme versprühen. Die Karte wiegt mit 1116 Gramm nicht sonderlich viel, ist aber auch kein Leichtgewicht.

Mit 27,3 cm Länge von der Außenkante der Slotblende bis zum Ende der Abdeckung ist die Karte nicht übermäßig lang und mit 10,5 cm von der Oberkante des Mainboard-Slots bis zur Oberkante der Abdeckung auch normal hoch. Die 3,5 cm Einbautiefe zeugen von einer echten Dual-Slot-Lösung. Drei DisplayPort-1.4-Anschlüsse und ein HDMI-2.0-Anschluss komplettieren das Bild der Slotblende mit dem Luftauslass.

 

Unboxing und technische Daten der Radeon RX 5700

Die kleinere der beiden Karten kommt mit einem eher schlichten, mausgrauen Aluminium-Kleid daher, also wenigstens kunststofffrei, wenn auch weniger auffällig. Dominiert wird das alles jedoch vom gleichen Radiallüfter wie auf der Radeon RX 5700 XT, der mit seinen 7 cm Durchmesser nicht gerade zimperlich wirkt. Wie laut das dann mal wird, werden wir noch sehen.

Ansonsten ist die Optik eher simpel, zeitlos und fast schon etwas zu langweilig. Auf die Beleuchtung in irgendeiner Form hat man bei der kleineren Karte verzichtet, ebenso wie auf eine Backplate. Deshalb wiegt sie auch nur noch 1018 Gramm.

Mit 26,5 cm Länge von der Außenkante der Slotblende bis zum Ende der Abdeckung ist die Karte nicht übermäßig lang und mit 10,5 cm von der Oberkante des Mainboard-Slots bis zur Oberkante der Abdeckung auch normal hoch. Die 3,5 cm Einbautiefe zeugen von einer echten Dual-Slot-Lösung. Drei DisplayPort-1.4-Anschlüsse und ein HDMI-2.0-Anschluss komplettieren das Bild der Slotblende mit dem Luftauslass.

 

Testsystem und Messmethoden

Das Testsystem und die -methodik habe ich im Grundlagenartikel “So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017 bereits sehr ausführlich beschrieben und verweise deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen. Da ich mittlerweile hier in Deutschland unabhängig teste, wurde das Testsystem auch noch einmal aufgerüstet, ohne auf Kollegen Rücksicht nehmen zu müssen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i9-9900 K
MSI MEG Z390 ACE
2x 8GB KFA2 HoF DDR4 4000
1x 1 TByte Patriot Viper (NVMe System SSD)
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor: Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
1x Optris PI640, 2x Xi400 Infrarotkameras
Pix Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Betriebssystem Windows 10 Pro (1903, alle Updates), Treiber Stand 28.06.2019

 

 

 

 

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.