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AMD Mobility – von Unterstützern und Verweigerern unter den OEMs und ODMs beim 7nm Line-Up

Ja, man ärgert (und fragt sich) sich schon, wenn AMD seit Jahren immer wieder Technik und Lösungen für Mobilgeräte ankündigt und man diese später dann jedes Mal im Handel mit der Lupe suchen muss. Wenn man denn überhaupt etwas findet. Mein Kollege Usman Pirzada von wccftech.com ist genau dieser Frage nachgegangen und kann mit weiteren Details genau das bestätigen, was auch mir in letzter Zeit im Gespräch mit Herstellern, den ODM/OEM und Distributoren (leider mal wieder) aufgefallen ist.

Aber es gibt auch gute Nachrichten, denn neben einigen halbherzigen Duldern und vermeintlichen Totalverweigerern soll es ja auch ein gewisses ODM-Licht am Ende dieses dunklen Tunnels geben. Genau da hat Usman Fleißarbeit geleistet und Mitarbeiter in Asien angezapft, denn die meisten Hersteller halten sich mehr als nur bedeckt, wenn man sie direkt nach AMDs neuen 7nm-Produkten fragt. Warum auch immer, denn es ist ja nur legitim. Doch wir müssen, um dies fair beurteilen zu können, auch die Fan-Brille und alle Emotionen mal freundlicherweise beiseitelegen und die gern genommenen Verschwörungstheorien zum Großteil  auch begraben.

Das eigentliche Problem liegt nämlich in erster Line wohl in den limitierten Ressourcen begründet, die AMD in diesem Bereich (noch) zu plagen scheinen. Das muss ich unbedingt voranstellen, damit man das gleich Folgende auch besser einordnen kann. Denn auch Usman ist der völlig richtigen Meinung, dass ein großer ODM/OEM ja nicht nur Komponenten zukauft, sondern mit sehr viel Einsatz (Finanzen, Zeit, Personal) spielt und nichts riskieren wird, was dessen Shareholder und die Analysten, sowie die eigenen Finanzen belasten und verärgern würde. Risiko- und Aufwandsoptimierung nennt man so etwas dann am abendlichen Stammtisch.

Folgt man wccftech und Usman, dann ergibt sich das folgende Bild bei Unterstützern und Zögerern, wobei ich selbst MSI, Clevo, HP und auch Asus bestätigen kann. Mit der verlinkten Analyse von wccftech.com rundet sich auch für mich das Bild dann etwas mehr ab, denn die Liste der eher „Desinteressierten“ ist ja nicht neu.

Eigene Geräte bereits angekündigt Vorerst keine Produkte geplant
  • Acer
  • ASUS
  • HP
  • Tongfang
  • Clevo
  • MSI

Doch zurück zum vermeintlichen Akzeptanz-Problem und der fehlenden „Unterstützung“ der ODM/OEM durch AMD. Neben wir als Beispiel einmal Firmen wie Clevo oder auch Tongfang, die als OEM in Asien für viele Außenstehende nur im Hintergrund agieren, weil man eher nur die Marken kennt, die bei den genannten Firmen am Ende fertigen lassen. OEM-Business heißt ja in erster Linie, dass diese Fertiger auf der Basis von CPUs und GPUs Notebook-Klassen als Lead-Plattform entwickeln, die dann später von den eigenen Kunden „individualisiert“ werden können.

Das betrifft in erster Linie das komplette Innendesign, also das Platinen- und Kühlungslayout. Bei einigen Komponenten und dem Tooling für die Optik ist man dann mehr oder weniger im Rahmen des Sinnvollen auch flexibel. Trotzdem steckt so in vielen Geräten gleiche oder ähnliche Technik, auch wenn sich die Marken dann deutlich unterscheiden. Genau da aber liegt die Crux der Geschichte. Nicht Hersteller X oder Y baut ein Notebook, sondern z.B. Clevo stellt die Plattform, die aber bedingungslos stimmen muss.

Für die Entwicklung der ganzen Platinen und Firmware sind diese OEM/ODM auf die jeweiligen Chiphersteller zu 100% angewiesen, ja, ihnen gewissermaßen sogar voll ausgeliefert. Das fängt mit den Whitepapern an, zieht sich über die Design-Kits für die Platinen bis hin zum Firmware- und Treiber-Support, sowie der ingenieurtechnischen Unterstützung vor Ort.

Intel und Nvidia sind allgemein dafür bekannt, nicht nur über vorzügliche Dokumentationen und Evaluation-Kits zu verfügen, sondern diese Massenfertiger auch direkt personell vor Ort zu unterstützen. Etwas, das AMD aus bekannten Gründen in diesem Umfang (leider noch) nicht kann. Da konzentriert man sich aktuell auf Firmen wie z.B. HP, Asus und Acer, denn es ist allemal besser, seine Energien zu bündeln, als auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist dabei allemal die Zusammenlegung der Treiber für die Desktop- und die mobile Grafik in ein Treiberpaket, das AMD selbst verwaltet und zum Support bereitstellt. Die Zeiten, dass Treiber-Software für die jeweiligen Herstellerprodukte erst angepasst werden mussten und somit der (überflüssige) Aufwand auf die ODM/OEM bzw. deren Auftraggeber abgewälzt wurde, sind damit endlich vorbei. Denn dem Kunden ist so etwas letztendlich nicht zu vermitteln.

Glaubt man AMD-Insidern und den Quellen aus den OEM-Kreisen, wird AMD das aktuelle 12-nm-Portfolio noch bis Ende 2019 wie gehabt durchziehen und erst spätestens im ersten Quartal 2020 auf den 7-nm-Zug umschwenken. Doch sag niemals nie, denn vieles kommt oft anders, als man denkt und es einem eine Roadmap weismachen will. Im negativen, aber auch im positiven Sinne. Je nach Gelegenheit.

Also bleiben wir mal vorsichtig optimistisch, vielleicht geht da ja noch was. Zu wünschen wäre es AMD und den Kunden allemal, denn es kann am Ende nur günstiger werden. Ein Monopol schadet am Ende ja auch den Kunden.

 

 

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.